"Zeche is nich", Blick 1: Bochumer Jungen
Zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 beschloss die ZDF-Redaktion von "Das Kleine Fernsehspiel", einen Episodenfilm zu drehen, der das alte Ruhrgebiet und die neue Metropole Ruhr beleuchtet. Der von der MADE IN GERMANY Filmproduktion betreute Film mit dem brandneuen Titel "Zeche is nich - Sieben Blicke auf das Ruhrgebiet" feierte seine Premiere beim Eröffnungsfest von RUHR.2010 auf dem Gelände des Welterbe Zollverein am 9. und 10. Januar 2010. In Teil 2 unserer Serie berichtet Regisseur Henning Marquaß exklusiv über seine Erfahrungen in der Metropole Ruhr zum Dreh des Kurzfilms "Bochumer Jungen".
Henning Marquaß wurde 1979 im sauerländischen Wickede geboren, an der südöstlichen Grenze zum Ruhrgebiet. Nach seinem Abitur 1999 arbeitete er bei Funk und Radio, u.a. bei Radio 98,5 Bochum und beim WDR in Köln. In dieser Zeit gründete Marquaß das Netlabel BokhamCityRecords, veröffentliche zwei Sampler regionaler Bands und organisierte zahlreiche Konzerte. Er realisierte auch zahlreiche Experimental- und Kurzfilme. Seit 2004 studiert Marquaß an der Kunsthochschule für Medien Köln. Dort ist er seit 2006 als Tutor für Final Cut Pro HD tätig.
Bochumer Jungen
Regie: Henning Marquaß
Manfred will etwas verändern: Sein verstaubter Fanfarenzug braucht neue Rhythmen. Doch seine Kollegen reagieren gar nicht erfreut und stoßen ihn schließlich sogar aus. Aber Manfred kann sich seine Würde in einem furiosen Finale in der Bochumer U-Bahn wieder zurückkämpfen und bekommt sogar die letzten Skeptiker vom längst fälligen Wandel überzeugt.
Henning Marquaß drehte mit dem 1. Landsknecht-Fanfarenzug Bochum 1987 e.V und dem Fanfarenzug Blau-Weiß Bochum-Hamme 1984 e.V. u.a. in der U-Bahn-Haltestelle Lohring, was ermöglicht wurde durch die Vermittlung von Herrn Christoph Kollmann, stellv. Pressesprecher der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. Räumliche Probemöglichkeiten wurden durch die Stadt Bochum ermöglicht unter Vermittlung von Thomas Sichelt, Stabstelle Bochum RUHR.2010.
Personal Essay von Henning Marquaß: Drehen im Ruhrgebiet
"Ich bin nicht im Ruhrgebiet geboren, bin also selber kein wirkliches Kind des Ruhrgebiets, auch wenn ich mich schon so betrachte. Meine gesamte filmische Sozialisation hat hier stattgefunden: Hier habe ich meine ersten Kameragehversuche gewagt, meine ersten kleinen Filme gedreht...
Bei den "Bochumer Jungen" war mir extrem wichtig, authentische Typen zu kriegen - gar nicht so leicht, wenn man einen knapp 25 Mann starken Fanfarenzug braucht, der mal eben so eine kleine Musical-Choreographie auf die Beine stellen soll.
Meine persönliche Beziehung zum Bochumer-Jungenlied ist jedenfalls nicht so eng, dass ich persönliche Kontakte zu den Fanfarenzügen unterhalten hätte.
Letzten Endes war es aber ganz einfach: Nummer herausfinden, anrufen. Das erste Telefon mit dem Leiter der Interessensgemeinschaft Bochumer Musikzüge hat direkt eine Stunde gedauert, und das erste Treffen mit den Chefs und Tambourmajoren der angeschlossenen Züge war der Traum eines jeden Filmemachers. Oft ist es ja so: "Wir kommen vom Film, wir würden gerne was mit euch machen." - Begeisterung, jedenfalls zuerst. Dann die große Ernüchterung, wenn klar wird, was für eine Maschine angeschmissen wird und wie viel Arbeit in so ein paar Minuten Film stecken.
Hier war es anders: Der Ruhrgebietler an sich (oder zumindest der Bochumer) ist zuerst mal etwas maulfaul, hört erst mal zu und sagt nichts, vielleicht ist er sogar ein bisschen misstrauisch, wenn jemand um die Ecke kommt mit großen Plänen. Geholfen hat sicher, dass ich selber eine starke Beziehung zu der Region habe - die Leute hier ticken eben ganz speziell, die merken sofort, wenn du denen Quatsch erzählst.
Wenn du ihn dann aber erst mal hast, bleibt er dabei - komme, was wolle. Man muss sich das mal überlegen: 25 Fanfarenzügler inklusive Tambourmajor drehen neben ihren normalen Jobs noch mal eben einen Film mit ihnen in der Hauptrolle. Wenn da nicht jeder Einzelne sich voll reingehängt hätte - und das bezieht auch die ganzen Leute drumherum mit ein vom Proberaumbesitzer zum Verkehrsunternehmen - hätte das niemals funktioniert.
Die U-Bahn-Tanzszenen hätten wir mit unsern Mitteln - und das ist meine ehrliche Überzeugung - an keinem Ort der Welt machen können: U-Bahn, Strom, Fanfarenzüge & Tanznummern passen einfach nicht zusammen. Hier aber, mit Leuten, die nach einem fürchterlich anstrengenden Nachtdreh noch ein hundertstes Mal mit dem gleichen Enthusiasmus das Bochumer Jungenlied anstimmen können, war das möglich.
Ich habe schon des öfteren in Bochum gedreht und ich weiß mit fast 100%iger Sicherheit, dass das jetzt nicht das letzte Mal war..."
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