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"Zeche is nich", Blick 6: The new Malocher

Mirko Dreiling, der Regisseur von Mirko Dreiling, der Regisseur von "The new Malocher"

Mirko Dreiling, der Regisseur von "The new Malocher"

Zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 feierte der Episodenfilm "Zeche is nich - Sieben Blicke auf das Ruhrgebiet" seine Premiere beim Kulturfest für alle. Am 9. und 10. Januar 2010 wurde dieses von der MADE IN GERMANY Filmproduktion betreute "Kleine ZDF-Fernsehspiel" mehrmals auf dem Gelände des Welterbe Zollverein gezeigt. In Teil 7 unserer Serie berichtet Regisseur Mirko Dreiling exklusiv über seine Erfahrungen in der Metropole Ruhr beim Dreh des Kurzfilms "The new Malocher".

Mirko Dreiling wurde 1975 geboren im tiefen Herzen des Ruhrgebiets - Castrop-Rauxel. Nach vier Jahren bei VIVA TV in Köln arbeitet er seit dem Jahr 2000 selbständig als Regisseur und Produzent innerhalb des Mediennetzwerks dieWG. Im Herbst 2003 begann er ein Studium der Dokumentarfilmregie auf der Nederlandse Film en Televisie Academie in Amsterdam, wo er mit Freunden das Filmkollektiv Area25 gründete. Fünf Jahre später folgte das weiterbildende Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Regelmäßig gibt Mirko Dreiling auch Regie-Workshops für Studenten und Schüler.
Seine Motivation Filme zu machen, ist der Glaube daran, dass Dokumentationen gesellschaftliche Tendenzen ins Licht rücken können, so Gesellschaft reflektieren und Menschen bewegen. Dabei will er auch berühren und unterhalten - und schafft den Spagat zwischen Kunst und Kommerz: Neben seinen Dokumentationen ist er auch als Regisseur und Regieassistent für Werbeproduktionen und Musikvideos tätig.

The new Malocher
Regie: Mirko Dreiling 

Mit dem drohenden Ende von Opel und der letzten Stahlwerke im Ruhrgebiet werden selbst Roboter arbeitslos. Ein Treppenwitz der Geschichte, dass einst höchst kapitalistische Werkzeuge nun kapitalistische Opfer werden. Aber was machen diese Gesellen nun? Wo werden sie einen neuen Platz zum Arbeiten, einen neuen Sinn für ihre Existenz finden?
Diesen Fragen geht IRB#2600 in "The new Malocher" auf die Spur. Er ist ein Opel-Roboter, der arbeitslos geworden ist. Wird ihn dasselbe Schicksal ereilen wie die Menschen? Muss er sich neu orientieren, seine Fähigkeiten anders einsetzen? Denn er will nicht nach China verschifft werden. Sollte er vielleicht eine neue Identität in der Kunst, im Bildungssektor oder in der menschlichen Pflege finden? IRB#2600 macht sich im Ruhrgebiet auf die Suche nach neuer Arbeit - und findet Freunde. "The new Malocher" ist ein modernes Märchen um die symbolische Frage, wie ein Roboter mit seiner Bürde als maschinelles Paradoxon fantasievoll umgehen kann.
    

Making-Of-Bilder zu "The new Malocher", Regie: Mirko Dreiling

 
 

      

Personal Essay von Mirko Dreiling: Mein erster Heimatfilm

"Die Metropole Rhein-Ruhr: Zehntausend Quadratkilometer, zehn Millionen Menschen. Eine große Mischung aus Energie und Leben. Knapp die Hälfte Fläche und Einwohner gehören zum Ruhrpott, dem größten Ballungsraum in Europa.

Ich war mal Teil dieser Welt. Im Herzen bin ich es immer. Geboren und gewachsen in Castrop-Rauxel, eingepflanzt zwischen Herne, Bochum und Dortmund. Es war eng und doch war der Horizont weit. Meine beiden Opas hatten als waschechte Bergleute malocht, mein Vater war Handwerker, mein Onkel stand am Hochofen. Das Klischee war Alltag, ohne dass Alltag Klischee war. In meine Schulklasse gingen selbstverständlich auch Mustafa, Agneschka, Ali und Pawel. Das Ruhrrevier ist ein kultureller Schmelztiegel. Das machte für mich schon damals seine Wärme aus, mitten im grauen Industrieumfeld. Es gab ehrlicherweise schon zu der Zeit viele grüne Oasen und deshalb auch eine bunte Kindheit. Umrahmt von der alles entscheidenden Frage im Revier: BVB oder Schalke?

Mit 20 verließ ich den Pott, um die Welt zu entdecken. Jetzt, 15 Jahre später, räumen mir die Feierlichkeiten zu RUHR.2010 und unser Filmprojekt die Möglichkeit ein, mich filmisch ausführlich mit meiner Heimat zu beschäftigen. Ich mach meinen ersten Heimatfilm. Die oben beschriebene Ausgangssituation mit Zeche, Opel, Multikulti und Fußball erwies sich im Laufe der Recherche für "The new Malocher" als pure Nostalgie. Schwerindustrie ist im Ruhrgebiet heute rar. Aber gerade darauf basierte doch die für den Film grundgelegte "Gerade-heraus-und-leicht-verschroben"-Kumpel-Mentalität. Wir befinden uns doch in der Herzkammer der deutschen Industrie, der Herzkammer des legendären Wirtschaftswunders. Was ist passiert?

Die Arbeit, die als Schmiermittel Region und Menschen zusammenhält, scheint mehr Folklore denn Wahrheit zu sein. Was füllt nun dieses Loch? Auf was basiert die neue Identität der Pottler? Woraus ziehen sie ihre Sinnhaftigkeit in Zeiten der Entindustrialisierung ihres Lebensumfelds? Wo sind die neuen Malocher? - Diese Fragen bilden die Basis für unseren Film, in dem wir einem ganz besonderen Hauptdarsteller folgen: IRB#2600 - einem sympathischen Industrieroboter!

Unser Protagonist markiert eine bedeutungsschwere soziale Metapher für das Revier. Schon einmal, in den 1980er Jahren, mussten viele Arbeiter neue Wege gehen. Effiziente und anspruchslose Roboter übernahmen in der herstellenden Industrie ihre Jobs. Die Arbeitswelt wurde automatisiert und die Fabriken menschenleerer.

Heute steht der Ruhrpott wieder mitten im Wandel. Allerdings sind jetzt nicht nur arbeitende Menschen, sondern auch viele Roboter über. Im Strukturwandel wird Gewicht auf innovative Dienstleistung gelegt. Produzierende Betriebe werden weniger und weniger. Die Schwerindustrie füllt quasi einen musealen Anteil der regionalen Wirtschaftswelt.
Der Pott befindet sich 2010 erneut am Wendepunkt. Ich freue mich auf die gemeinsame Zukunft von Menschen und Robotern im Revier. Werden wir uns gegenseitig helfen? Werden wir Konkurrenten? Werden wir ein Leben jenseits einer Arbeitsgesellschaft finden?

Ich bin sicher, das Ruhrgebiet meistert auch diesen Akt. Menschen und Roboter werden sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit besinnen und geeint aus dem Veränderungsprozess hervorgehen. Das ist die Stärke im Pott. Fremde werden zu Freunden, mit einem Augenzwinkern. Davon bin ich fest überzeugt. Wir haben schon Schlimmeres durchstanden! Glück Auf und Heja BVB!"