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(WDR 2 vom 26.04.2010)
[...] Nicht im angestammten Opernhaus wird getanzt, sondern im Harenberg Center, einem 70 Meter hohen Büroturm mit Sälen, Konferenzräumen, Lobbies & Lounges, Aufzügen, Treppen, Büros, Brücken und Fluren. Dort bespielen seine Tänzer die verschiedenen Räume vom Keller bis zum Dach. Und das Publikum folgt. Die Musik des zeitgenössischen Komponisten Hans Werner Henze, die "Royal Winter Music" spielt dabei eine besondere Rolle. Die Auseinandersetzung mit dem Lebensraum Ruhr ist das erklärte Ziel sowohl des Henze-Projektes als auch der Inszenierung von Xin Peng Wang. [...] Besonders eindrucksvoll: drei Paare in expressiven Senhsuchts-Duos im Foyer unten am Eingang, die Zuschauer stehen bis zu 5 Ebenen höher auf den Brücken, die den riesigen Luftraum überspannen und an den Seitengeländern. Oder: an der Treppe zum Untergeschoss reckt eine Tänzerin auf einem Glastisch die Arme, ein Tänzer zündet in einem goldenen Bassin stehend Streichhölzer an, während kontinuierlich Wasser auf heruntertropft, zwei weitere die Wände betasten. Es gibt so viel Verschiedenes und Spannendes zu sehen - alles kann man kaum mitbekommen. [...]
Ulrike Burgwinkel
Publikum im doppelten Sinn "bewegt"
(aus: Westfläische Rundschau vom 26.04.2010)
[...] Xin Peng Wang fordert seine Tänzer enorm. Sie müssen sich immer wieder auf neue Räume einstellen, glänzen mit hochakrobatischen Nummern. Ausdrucksstarke Soli, innige Pas de deuxs und temporeiche Gruppen wechseln im Schnelldurchgang. Gefordert sind aber auch die Zuschauer. Hautnah werden sie in das Geschehen hineingenommen, von Tänzern geleitet müssen sie das Haus zu Fuß und im Aufzug „erwandern“ und Stehvermögen aufbringen. [...] Am Ende schlägt das Ballett im Foyer mit der Echo-Canzone und Ciaconna von Maurizio Cazzati den Bogen zum Anfang zurück. Begeistert und erschöpft sind schließlich beide: das bewegende Corps de ballet und das im doppelten Sinne „bewegte“ Publikum. [...]
Sonja Müller-Eisoid
Expedition Sehnsucht
(aus: Halterner Zeitung vom 26.04.2010)
[...] Die Reise führt mit dem Fahrstuhl in die 18. Etage. Dort baumeln Menschen kopfüber an den Scheiben, tanzen in 70 Metern Höhe in der Luft -ein Ballett der Höhenretter. Die Tänzer kleben voller Sehnsucht im intimen Clubraum innen an den Scheiben. Am Abgrund tanzen Paare auf der Galerie; das Spiel mit dem Raum, das immer wieder überraschend ist, steht im Zentrum der Choreografien, die abwechslungsreich sind, aber Bewegungsmuster immer wiederkehren lassen. - Ein schönes Pendant zum Leitfaden Henze zwischen höfischer Barockmusik, Pink Floyd und David Bowie. Tradition und Futurismus spiegeln auch die Kostüme und die Arbeit der Maskenbildner. [...] Wie vortrefflich die Dortmunder Compagnie auch auf Teppichböden und ganz nah am Publikum tanzt, ist bemerkenswert. Und auch, mit welcher Leichtigkeit Gitarrist Hans-Werner Huppertz Henzes vertrackte, sehr melodische Musik zupft.
Julia Gaß
