Milch und Kohle
Um das Dasein, um Wege aus dem Dunkel bedrückender Verhältnisse am Ende der 60er Jahre kämpfen die Menschen in Milch und Kohle.
Der Vater, ein Hauer unter Tage, fährt pflichtbewusst zur Zeche und trauert dem Leben als Melker in Norddeutschland nach, das er seiner Frau zuliebe aufgegeben hat. „Und warum?“ fragt der 15jährige Simon seine Mutter. „Was ist besser hier, im Ruhrpott?“ Die Antwort: „Hier ist Stadt: Asphaltierte Straßen, ein Fernseher, jeden Samstag Tanz bei 'Maus'...“
Und eines Tages bringt der Vater Kumpel mit nach Hause, Gino und seine Freunde, die dem Arbeitsalltag so etwas wie Glanz geben mit ausgelassenen Festen. Die Mutter verliebt sich in einen gutaussehenden Italiener. Dem dämmernden Unheil entzieht sich Simon, indem er mit seinem Freund Pavel die Gegend auf der Zündapp durchstreift, pubertäre Abenteuer sucht. Bei seinem jüngeren Bruder Thomas, genannt Traska, verursacht die drohende Abreise der Mutter dagegen eine schreckliche, ja haarsträubende Reaktion...
Ralf Rothmann hat seine Figuren in diesem Buch mit großer Beobachtungsgabe gezeichnet, ohne jedoch den Fehler zu begehen, in eine reine „Kumpel-Romantik“ zu verfallen. Eine weitere Stärke des Buches ist nicht nur die Beschreibung der Pubertät des jungen Simon, sondern auch die gleichzeitig stattfindende Pubertät einer Republik.
„Wie die anderen Romane ist Milch und Kohle Teil einer sozialgeschichtlichen Genealogie des Ruhrgebietes, die drei Generationen, ihre Hoffnungen, Ängste und seelischen Deformationen in den mikroskopischen Blick nimmt.“ (Hartmut Mangold, Berliner Morgenpost, 26.03.2000)
Hier finden Sie ein Porträt von Ralf Rothmann auf der Homepage des Suhrkamp Verlags.
Ralf Rothmann
Milch und Kohle
Suhrkamp Verlag
August 2008 (Neuauflage)
210 Seiten, broschiert, EUR 9,00
ISBN 978-3-518-39809-8


