"Powers of Speech" auf PACT Zollverein
"Powers of Speech", so lautet der Titel einer Reihe rhetorischer Performances in Englischer Sprache, die PACT Zollverein von Donnerstag, 15. Dezember, bis Samstag, 17. Dezember, in Essen realisiert. Die internationalen Künstler geben in vier Aufführungen Reden als politisches Instrument zum Besten. Zu sehen sein werden Tim Etchells (GB), Mapa Teatro (CO), Barbara Matijevic / Giuseppe Chico (HR/FR) sowie Mpumelelo Paul Grootboom (ZA).
Reden als politisches Instrument
Zu allen Zeiten, in jedem Land, jeder Kultur und in allen politischen Systemen war und ist die Rede eine treibende Kraft im politischen Geschehen von Staaten und Gemeinschaften. In der von der Siemens Stiftung gemeinsam mit dem Kaaitheater Brüssel initiierten Performancereihe zur Politischen Rede entstehen Arbeiten von vier Theatermachern aus Europa sowie Kolumbien und Südafrika, die die formalen und substantiellen Kräfte der Rede beleuchten: Kräfte, die eine Gemeinschaft in Krieg oder Frieden, zum "Guten" oder "Bösen" führen können. Ob für einen bestimmten Anlass geschrieben oder dem Moment entsprungen – ähnlich dem Geschehen auf einer Theaterbühne wird eine Rede immer in einem dezidierten Kontext, einem "Hier und Jetzt" einem Publikum dargeboten, das der Entwicklung von Gedanken eines Sprechers folgt. Die Arbeiten sind bei PACT Zollverein als Deutschlandpremiere zu sehen.
Although We Fell Short
"Although We Fell Short" ist eine performative Rede von Künstler und Regisseur Tim Etchells, performt von Kate McIntosh. Etchells kreiert seine neue Arbeit aus Überresten und Fragmenten einer Vielzahl zeitgenössischer und historischer Reden: Material aus Politkampagnen, Parteitagen, Debatten, Abdankungsreden und revolutionären Traktaten kollidieren auf ungeahnte Weise oder verbinden sich zu unerwarteten Dialogen. Bedeutung und Zusammenhänge werden dabei einer Zerreißprobe unterzogen – immer wieder hergestellt, um sich aufzulösen, aber gleich darauf neu zu entstehen. Gleichermaßen komisch und beunruhigend, unterzieht ›Although we fell short‹ die bekannten Strategien politischer Reden einer Suche nach ihren linguistischen Sollbruchstellen, wenn formelhafte Strukturen und konventionelle Haltungen außerhalb ihres Kontextes bestehen müssen.
Discurso de un hombre decente
Der Kolumbianer Pablo Escobar, auch bekannt als ›El Patron‹ (›The Boss‹), zählt neben seinem erklärten Vorbild Al Capone zu den bekanntesten Drogenbossen aller Zeiten und hielt sein Land und die Staatengemeinschaft über Jahre hinweg in Atem.Von den Armen seiner Heimatstadt Medellín mitunter zu einer Robin Hood-Gestalt verklärt, war er für die USA in den 90er Jahren der ›Staatsfeind Nummer 1‹. 1993 wurde er auf der Flucht aus dem Gefängnis von einer Sondereinsatztruppe erschossen. Die Performance der Theatermacher ›Mapa Teatro‹ aus Bogotá basiert auf einer fiktionalen Rede, die am Tag seines Todes bei Escobar gefunden wird: Gehalten am Tag seiner Wahl zum kolumbianischen Präsidenten, beschreibt er in ihr seine Vision für ein reiches und international einflussreiches Kolumbien – durch die sofortige Legalisierung aller Drogen…
Speech
In ihrem neuen Projekt, das unter dem Arbeitstitel "Speech!" im Rahmen der Reihe Spoken World bei PACT Zollverein zu sehen sein wird, beleuchten die Künstler Giuseppe Chico (IT) und Barbara Matijevic (HR) die Form der politischen Rede als Diskursmittel, das uns regelmäßig die Grenzen der Benennbarkeit aufzeigt.Sie erhebt keinen Anspruch auf Wahrheit oder Wirklichkeit und entspringt aus nichts anderem als der Kreativität des Redners. Die Rede scheint dadurch definiert zu sein, dass sie nie über etwas, sondern stets für jemanden gedacht ist – Rede lädt zu Gegenrede ein, weil sie nur durch den Akt des Sprechens selbst entsteht. Wenn also ein Mensch auf einer einsamen Insel seine Meinung in einer Rede formuliert, die niemand je hört – könnte er trotzdem Unrecht haben?
Rhetorical
Der südafrikanische Dramatiker und Regisseur Grootboom, dessen Produktionen über den brutalen Alltag Südafrikas ihm den Spitznamen "Township Tarantino" einbrachten, befasst sich in "Rhetorical" eingehend mit der jüngsten Geschichte seines Landes: Er beschreibt das politische Ende von Präsident Thabo Mbeki, der 2008 gezwungen wurde, sein Amt niederzulegen, anhand der Reden eines aufrührerischen und fiktiven jungen Politikers: Die Figur des Daniel "Dada" Mokone basiert auf Julius Malema, dem Anführer der ANC Youth League, der von manchen als rücksichtloser Populist abgetan, von vielen jedoch als zukünftiger Präsident Südafrikas gehandelt wird.
Performances
Tim Etchells (GB) "Although We Fell Short" - Donnerstag, 15. Dezember, 19:30 Uhr
Mapa Teatro (CO) "Discurso de un hombre decente" - Donnerstag, 15. Dezember, 21:00 Uhr
Barbara Matijevic / Giuseppe Chico (HR/FR) "SPEECH!" (working title) - Samstag, 17.Dezember, 19:30 Uhr
Mpumelelo Paul Grootboom (ZA) "Rhetorical" - Samstag, 17.Dezember, 21:00 Uhr
Powers of Speech
Donnerstag, 15. Dezmber, 19:30/21:00 Uhr und Samstag, 17. Dezmeber, 19:30/21:00 Uhr
PACT Zollverein, Bullmannaue 20a, 45327 Essen
Eintritt: 6 - 13 Euro
Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.pact-zollverein.de

