Wiederaufnahme: Hochstapeln
Das Schauspielhaus Bochum nimmt am Donnerstag, 22. Dezember, das gesellschaftskritische Stück "Hochstapeln" wieder auf. Um 19:30 Uhr dreht sich auf der Bühne alles um den stetigen Konkurrenzkampf sechs ehemaliger Klassenkameraden, um Hochstapeln als Überlebensstrategie und um das Ringen mit dem Selbstbild, das sich hinter der bröckelnden Fassade scheinbarer Familienharmonie geschickt zu verbergen weiß.
Konfrontation mit dem Moment der Wahrheit
Bei Hochstaplern denkt man in der Regel an Heiratsschwindler und professionelle Betrüger. Doch Hochstapeln ist in unserem Alltag kein Ausnahmephänomen. Tagtäglich stapeln wir hoch: Wir verschweigen etwas oder fügen der Wahrheit etwas hinzu. Wir wollen mehr sein als wir sind. Wir wollen unsere Mitmenschen übertrumpfen. Nicht anders ergeht es den sechs Figuren in diesem Stück. Wir lernen sie zu einem Zeitpunkt ihres Lebens kennen, an dem alles möglich zu sein scheint. Soeben haben sie ihr Abitur bestanden und die Welt steht ihnen offen. Nach zehn Jahren führt sie ein Klassentreffen wieder zusammen. Weitere werden folgen. Was sie jedoch zu jedem dieser Treffen treibt, ist weniger die gemeinsame Vergangenheit als die Gelegenheit sich im Spiegel des Gegenübers des eigenen gesellschaftlichen Standes zu versichern. Bin ich erfolgreicher als die anderen? Habe ich klügere Kinder? Bin ich ein besserer Mensch? Eine wiederkehrende Bestandsaufnahme, in der jeder damit beschäftigt ist, das eigene Leben als das absolute Glück zu behaupten ungeachtet aller offensichtlichen Nöte. Hinter dieser Fassade jedoch beginnt für jede Figur eine Konfrontation mit dem Moment der Wahrheit, ein Ringen um ihr Selbstbild.
Vererbte Ideale, der Sinn des Lebens und die Fassade familiärer Harmonie
Maike behauptet eine Liebe zu Jörg, die sie nicht empfindet – neun Jahre Beziehung, um nicht alleine zu sein. Johannes lebt Stärke wo eigentlich Schwäche ist, um einem vererbten Ideal von Männlichkeit gerecht zu werden. Arndt arbeitet Tag und Nacht daran sein Vermögen zu vergrößern und merkt zu spät, dass all seine Besitztümer schon lange ihre Bedeutung verloren haben. Und Michael, ein Pfarrer, behauptet weiter den Sinn in allem, was ihm widerfährt – obgleich ihn der Zweifel an seinem Glauben verbittern lässt. Sabine kann sich nicht eingestehen, dass die Fassade der familiären Harmonie bröckelt und verschweigt ihrem Mann seine tödliche Krankheit. Und Reinhard, ein erfolgreicher Politiker, muss sich öffentlich eingestehen, dass er auf die Fragen der Zukunft einfach keine Antworten mehr hat.
Hochstapeln als Überlebensstrategie
Die Sehnsucht nach dem Mehr und die Angst nicht zu genügen eint diese Figuren. Das Gefühl des inneren Mangels lässt sie sich und ihre Umwelt täuschen und den Bezug zur Wirklichkeit mehr und mehr verlieren. In einer Gesellschaft der immer absurderen Superlative ist das Hochstapeln weniger Betrug als Überlebensstrategie – bis die Blase zerplatzt und die Realität einen Moment der Wahrhaftigkeit einfordert.
Wiederaufnahme: Hochstapeln
Donnerstag, 22. Dezember, 19:30 Uhr
Schauspielhaus Bochum, Theater Unten, Königsallee 15, 44789 Bochum
Eintritt: 12 Euro
Weitere Informationen sowie Tickets erhalten Sie unter: www.schauspielhausbochum.de

