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15.07.2010

"Wohnen, Leben und Arbeiten von Fremden im Revier" eröffnet am 22. Juli

Postkarten-Ansicht der Dreieckssiedlung Hochlarmark um 1910 / Bild: Stadtarchiv Recklinghausen, Bestand Verkehrs- und Verschönerungsverein Hochlarmark

Postkarten-Ansicht der Dreieckssiedlung Hochlarmark um 1910 / Bild: Stadtarchiv Recklinghausen, Bestand Verkehrs- und Verschönerungsverein Hochlarmark

Mit einer Kabinettausstellung seltener Archivschätze beteiligt sich das Stadt- und Vestische Archiv Recklinghausen an der Ausstellungsreihe "Fremd(e) im Revier!?". Die Ausstellung "Wohnen, Leben und Arbeiten von Fremden im Revier: Der Stadtteil Hochlarmark als Brennpunkt der Recklinghäuser Migrationsgeschichte" zeigt anhand zahlreicher Archivalien das Nebeneinander von Abgrenzung und Assimilation, von Segregation und Anpassung. Vom 22. Juli bis 19. September ist die Ausstellung in Recklinghausen zu sehen.

Das Archivprojekt bietet mit schriftlichen, bildlichen und kartografischen Quellen eine mikrohistorische Rekonstruktion der Lebensverhältnisse des Recklinghauser Stadtteils Hochlarmark zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dort war mit Inbetriebnahme der Zeche Clerget II 1883 aus der viehwirtschaftlich genutzten Hochlarer Feldmark ein völlig neuer montanindustrieller Standort entstanden. Die in den 1870er Jahren begonnene Ost-West-Wanderung ins Ruhrgebiet erreichte nun auch Recklinghausen und mit ihr viele deutschsprachige Ostpreußen, die meisten unter ihnen zwischen 15 bis 30 Jahre alt, allesamt arbeits- und heiratswillig. Unter den Migranten waren sowohl deutsch- und polnischsprachige Katholiken als auch streng protestantische, der preußischen Monarchie sehr ergebene Masuren, die vornehmlich ihre slawische Regionalsprache beherrschten. Die für die Zugewanderten gebaute Reformationskirche und die katholische Michaelskirche prägen seitdem das städtebauliche Bild Hochlarmarks ebenso wie die alles beeinflussende Zeche.

Auch die Zunahme nationalpolnischer Bestrebungen wird thematisiert, an denen der preußische Staat mit seinen polizeilichen Überwachungsmaßnahmen keinen geringen Anteil hatte. Das Stadt- und Vestische Archiv Recklinghausen geht mit dieser Ausleuchtung historischer Entwicklungen einer der Leitfragen des Gesamtprojektes "Fremd(e) im Revier!?" nach, wie nämlich Staat und Bergbau mit den zugezogenen Menschen umging, die sich vielfach durch Sprache und Kleidung von den Einheimischen unterschieden. Da die Bevölkerung Hochlarmarks nach 1918 von 6.500 auf ca. 5.700 sank (viele der rund tausend polnischen und masurischen Migranten zogen in die neu gegründete Republik Polen), kann vermutet werden, dass ‒ entgegen der landläufigen Vorstellung vom "Schmelztiegel Ruhrgebiet" - ein großer Anteil der Ruhrpolen im frühen 20. Jahrhundert "fremd" im Revier geblieben war.

Eröffnung
Donnerstag, 22. Juli 2010, um 18 Uhr
Vestisches Museum / Haus der Geschichte
Hohenzollernstraße 12, 45659 Recklinghausen
Mit Bürgermeister Wolfgang Pantförder und Archivleiter Dr. Matthias Kordes 

Öffnungszeiten: Fr bis So 11–18 Uhr und nach Vereinbarung

Weitere Informationen unter:
Projektseite "Fremd(e) im Revier!?"