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15.11.2010

Bildungsabschluss allein genügt nicht: Studie untersucht wirtschaftliche und kulturelle Bedingungen hochqualifizierter Einwanderung im Ruhrgebiet

Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Foto: Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Ob hochqualifizierte Einwanderer eine Anstellung im Ruhrgebiet finden, hängt nicht allein von ihrem Bildungsabschluss ab: Neben bürokratischen Hürden erschweren auch Vorbehalte gegenüber ausländischen Akademikern den Erfolg. Einwanderer, die ihre "bikulturellen" Kompetenzen für ihre Tätigkeit nutzen können, haben es dabei auf dem Arbeitsmarkt wesentlich leichter. Dies geht aus der Studie "Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet" hervor, die das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) gemeinsam mit der RUHR.2010 GmbH durchgeführt hat.

Die Verfasserin der Studie, Ulrike Ofner, befragte hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, warum sie ins Ruhrgebiet kommen, warum sie bleiben oder wieder abwandern. Im Fokus stehen die Erfahrungen, die sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen. Überraschend gut schnitt das sozio-kulturelle Klima des Ruhrgebiets ab, zu dem sich keiner der Befragten negativ äußerte. Am 15. November wurde die Studie im KWI vorgestellt.

Akademiker, die ihre Qualifikationen im Ausland erworben haben, sind laut Statistischem Bundesamt im Gegensatz zu so genannten "Bildungsinländern" deutlich häufiger in einfachen Berufen beschäftigt. Die  vorliegende Studie belegt: Der Antrag auf Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis ist oft nur die erste Hürde. Danach folgen langwierige Verfahren, um Bildungsabschlüsse und berufliche Qualifikationen anerkennen zu lassen. Eine entscheidende Rolle für den Erfolg spielen familiäre Bildungs- und Einkommenshintergründe, aber auch das Ansehen des Herkunftslandes und binationale Abkommen. Menschen, die mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren wurden, erreichen im Ruhrgebiet deutlich häufiger die Hochschulreife als in Deutschland insgesamt. Nur ein geringer Teil von ihnen schließt dann aber ein Studium ab.

Alle 20 Studienteilnehmer berichten in den qualitativen Interviews auch von persönlicher Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Ulrike Ofner führt aus: "Im Ruhrgebiet lebende Migrantinnen und Migranten haben mit Diskriminierung nicht stärker - aber eben auch nicht weniger - zu kämpfen als anderswo. Von dem Ziel, Stigmata zu beseitigen und sich auf gleicher Augenhöhe zu begegnen, sind wir in jedem Fall noch weit entfernt." Claus Leggewie, der gemeinsam mit Anja Weiß die Projektleitung inne hat, schließt: "Die Studie verdeutlicht einmal mehr die Felder, in denen dringender Handlungsbedarf besteht: Ausländische Bildungsabschlüsse müssen leichter anerkannt und Weiterbildungen sowie Deutschkenntnisse gefördert werden. Ein proaktives ,diversity management’ muss außerdem die hier lebende zweite und dritte Generation zu einem Hochschulabschluss ermutigen."

Deutliche Vorteile auf dem Arbeitsmarkt haben diejenigen, die in einem Bereich arbeiten, in dem sie ihre Migrationserfahrungen und ihr herkunftslandbezogenes Wissen als zusätzliche Qualifikation einbringen können – beispielsweise in pädagogischen oder sozialen Berufen. Sobald vorhandene "bikulturelle" Kompetenzen dem Arbeitgeber keinen Nutzen bringen, wird der Migrationshintergrund eher zu einem Hindernis. Auch hier ist das Ruhrgebiet keine Ausnahmeregion: Die von den Befragten geschilderten Formen von Ausgrenzung sind in Interviews mit Hochqualifizierten überall in Deutschland ähnlich dokumentiert. Bemerkenswert sind in Bezug auf das Ruhrgebiet vor allem die Äußerungen zum sozio-kulturellen Klima: Keiner der Befragten sprach negativ über die Lebensart und Umgangsformen in der Region.

Die Studie "Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet" wurde vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen gemeinsam mit der RUHR.2010 GmbH durchgeführt.

Beteiligte:
Die Verfasserin Dr. Ulrike Ofner ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Bundeswehr Hamburg. Die Projektleitung haben inne: Prof. Dr. Anja Weiß (Juniorprofessorin für Soziologie mit Schwerpunkt Makrosoziologie und transnationale Prozesse an der Universität Duisburg-Essen) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Politikwissenschaftler und Direktor des KWI).

Über das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI):


Download:

Studie Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet (VORABFASSUNG) (PDF; 416 KB)


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Pressekontakt:
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)
Viola Noll
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0)201 7204-152
E-Mail:   viola.noll@kwi-nrw.de

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