Aktuell

Anmeldeschluss für !SING - DAY OF SONG verlängert!
/ MEHR

Wiederaufnahme: Tosca in Duisburg
/ MEHR

Mitsingkonzert "Vom Himmel hoch" / MEHR

RUHR.2010-TV

Zur aktuellen Sendung von RUHR.2010-TV / MEHR

Eine Metropole, über die man spricht, spricht für sich

Abbildung einer Muschelschale mit Perle auf grobkörnigem Sand.Abbildung einer Muschelschale mit Perle auf grobkörnigem Sand.

RUHR.2010 fischt nach den schönsten Zitatschätzen über die Metropole Ruhr und die Kulturhauptstadt Europas 2010. / Foto: Grace Winter, www.pixelio.de

"Die Kritik ist leicht, die Kunst ist schwer", behauptete der französische Dramatiker Philippe Destouches (1680-1754). Doch vielstimmige Resonanz – sei es Lob oder Tadel – beflügelt die Kunst, schafft inspirierende Reibungsflächen und stärkt die Motivation, Kreatives zu leisten.

Auch ein gemeinschaftliches Großprojekt wie die Kulturhauptstadt Europas 2010 polarisiert. Die Auseinandersetzung zeigt, dass RUHR.2010 den Nerv der Zeit getroffen hat, indem die Kulturhauptstadt versucht, das Ruhrgebiet zu vernetzen und die Metropole Ruhr als neue Kulturmetropole in Europa zu positionieren. Die bereits erzielten Effekte gehen von der kulturellen Kraft der Region aus, die aus den Errungenschaften der Institutionen und Kulturschaffenden wächst und lebt – und aus dem Wandel, der hier stattfindet.
So vielfältig wie die Kultur in der Metropole Ruhr ist, so facettenreich sind die Meinungen zur Kulturhauptstadt Europas 2010. Stöbern Sie in journalistischen Schlagzeilen, Berichten und Kommentaren rund um die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und die Metropole Ruhr:

September 2010 (in Auswahl)
August 2010 (in Auswahl)
Juli 2010 (in Auswahl)
    


/ nach oben

Medien-Rauschen September 2010 (in Auswahl):


"Was bedeutet Stille und wie kann diese lebendig sein? Kann man ohne Töne Musik ausdrücken? Ganz neue Empfindungen machten hörbehinderte Darsteller aus Nischnij-Novgorod gestern für die Kinder der Grundschule Sythen-Lavesum erfahrbar. Im Rahmen eines TWINS-Projekts der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gastiert die junge Theatergruppe Piano aus Russland zurzeit in Deutschland. Der Förderverein der Grundschule machte den Auftritt der Akteure aus Essens Partnerstadt Nischnij-Novgorod in Sythen möglich. Munter schwatzend bevölkerten die Schüler die Turnhalle. Doch schon bald gerieten sie in den Bann starker Ausdrucksformen. Mimik und Gestik sagten so viel mehr aus als Worte. Spielerisch wurden die Grenzen zwischen den hörenden Kindern und den hörbehinderten Darstellern überwunden. Mit Leichtigkeit präsentierten diese die hohe Schule der Pantomime und berührten in wechselnden Szenen die Herzen der Zuschauer. Über Bewegung machten sie Musik sichtbar. Ihre Zuschauer genossen dieses für sie ungewöhnliche Experiment und schlugen intuitiv eine Brücke zu den behinderten Akteuren auf der Bühne. Am Schluss gab's für die russischen Kinder tosenden Applaus, ausgedrückt durch fröhliches Händedrehen."

Halterner Zeitung / 29.09.2010
Weitere Informationen zu PIANO - Fortissimo


"Vom Abwasserfluss zur naturnahen Landschaft mit Freiluftgalerie - komplexer kann ein Wandel kaum sein. Die Seseke hat ihn vollzogen. Die Menschen der Region profitieren von einem ganz neuen Erlebnisraum. Vor 106 Tagen feierte die Seseke-Open-Air-Ausstellung "Über Wasser gehen" mit zwölf Kunststandorten in sechs Städten , darunter auch Lünen, Eröffnung. Am Sonntag zogen die Kulturschaffenden und Beteiligten zum Abschluss im Hotel "Am Stadtpark" Bilanz. "Es ist keine klassische Finissage", so Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, denn der Gedanke von Kunst an der Seseke sei nicht zu Ende. "Wir sprechen darüber, wie er in die Zukunft getragen werden kann." Die meisten der entstandenen Projekte bleiben, nur einige temporäre Kunstwerke gehen. In der Vergangenheit ist viel passiert: Über 50 Führungen, auch per Rad, haben die Menschen an die Seseke gelockt, darunter auch Kunsthistoriker, Biologen und Landschaftplaner. Studierende von über einem Dutzend Universitäten verfolgten das Projekt. Viele Anwohner fühlen sich durch die Kunst inspiriert, die Landschaft neu zu entdecken. "Die Verbindung von Kunst und Wasserwirtschaft ist neuartig", so Dr. Jochen Stemplewski und bedeute für Deutschland eine Vorreiterrolle."

Ruhr Nachrichten, / 28.09.2010
Weitere Informationen zu Über Wasser gehen


"Das Hauptinteresse aber richtet sich naheliegend auf die Musik des alten Maestro, der ja mit "Gisela!" im Prinzip nicht weniger als eine neue Oper vorlegt. [...] Nun, allzu viel Neues erlebt man nicht mehr: Henze ist immer noch - hier in einem betont kammermusikalischen Ambiente - der Meister der glühenden Instrumentalfarben, des frei strömenden, belcanto-nahen vokalen Melos, der süffigen Dissonanzen. [...] Musikalisch ordentlich ausgeführt wurde das Ganze von Musikern, die, wie zu hören war, das alte und auch dem Henze von ehedem vertraute Motto "Trau keinem über 30" beherzigen. [...] Jung sind auch die Solosänger - Hanna Herfurtner als Gisela, Fausto Reinhart als Gennaro und Michael Dahmen als Hanspeter, die mühelos die Halle füllen und eindringlich herüberkommen. Es wäre schön, von ihnen wieder zu hören."

Kölner Stadt-Anzeiger, Markus Schwering / 28.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Henze war - ein Mann in seinem Widerspruch! - hedonistischer Klassenkämpfer und streitbarer Epikuräer, komponierte voll "Sehnsucht nach dem wilden Wohlklang", sang, gemäß dem Bachmann-Vers, "von der alten Schönheit junger Gnaden", wusste sich verachtet von der Avantgarde und geschätzt von dem Establishment, dem er misstraute. In seiner jüngsten Oper nun, seiner letzten, wie er ankündigt, blitzen diese Vergangenheiten noch einmal auf, hört man spröde Madrigale, belcantistische Arietten und Ensembles, klassizistische Tafelmusik, silbrige Klangflächen aus Tasten- und Stabspielen, dünnt er das gelegentlich massive vierzigköpfige Instrumentalensemble gerne auf Englischhorn-, Bassklarinetten- oder Kontrabass-Soli aus. Die übrigen Gesamtkunstwerker sorgen dafür, dass diese "merk- und denkwürdigen Wege des Glücks" doch zu einem merk- und denkwürdigen Abend werden. Pierre Audi und Christof Hetzer hantieren eindrucksvoll und temporeich mit den großzügigen Proportionen der Maschinenhalle Zeche Zweckel, lassen die Bilder (ICE-Abteil, Teatro San Ferdinando, Trattoria) unter schwarzen Kuben sich formieren, deren Seiten wiederum als Video-Pojektionsflächen dienen. Tänzer der Folkwang Hochschule bilden eine ausgelassene Commedia-dell'arte-Truppe oder starre Tableaux vivants. Alle sind sie so jung wie die Sänger des Jugend-Kammerchors der Chorakademie Dortmund und die Instrumentalisten des Studios "musikFabrik", die ihre Sache prächtig machen. Hanna Herfurtner ist die Gisela aus Oberhausen, sympathisch, natürlich, herzlich, blendend intonierend; Fausto Reinhart ist der angemessen glutäugige Gennaro, seinen mit schönem Bariton ausgestatteten Kontrahenten Hanspeter singt Michael Dahmen. Steven Sloane hat mit seinen Jungmusikern gewissenhaft gearbeitet und die Übersicht behalten."

FAZ, Rainer Peters / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Mit seiner gewohnt sängerfreundlichen Schreibart trifft Henze Stimmungen, Schauplätze und Entwicklungen. Auch in der spieltechnisch etwas gemilderten Partitur für jugendliche Musiker, denen immer noch eine Menge abverlangt wird: Eine farbige Musik mit kraftvollen, schlagzeugbetonten Zwischenspielen und ebenso zarten Passagen. (…) Die an sich gute Handlung wird durch Commedia delF arte-Einlagen und Videosequenzen belebt, wenn auch nicht immer erhellt. Regisseur Pierre Audi und sein Team beflügeln sie mit viel Aufwand und Fantasie. Durch das steife Libretto erhält die Handlung allerdings eine künstliche Distanz, die nie so recht anrührt. (…) Die eigentlichen Stars des Abends waren die jungen Leute des "Studios MusikFabrik", der Dortmunder Chorakademie und der Folkwang-Universität. Sie alle hatten schwierige Aufgaben zu bewältigen, zumal die letzten Teile der Komposition erst vor zwei Wochen zur Verfügung standen. Die drei Solo-Partien waren mit Hanna Herfurtner (Gisela), Fausto Reinhart (Gennaro) und Michael Dohmen Hanspeter) rollendeckend besetzt. Die musikalische Leitung lag in Händen von Steven Sloane, zugleich Leiter des gesamten Henze-Projekts, der mit dieser Premiere endlich auch einmal ins Rampenlicht treten konnte."

WAZ, Pedro Obiera / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Mit "Gisela" ist Hans Werner Henze ein leichtfüßiges modernes Märchen für das Musiktheater ohne Ballast gelungen. (…) "Gisela" ist das Vermächtnis eines 84-Jährigen an die Jugend im Lobpreis auf das spielerisch Heitere der Komödie des Lebens und die Macht der Phantasie. (…) Gewitzt und mit einem Schuss Ironie verbinden Henze und seine Librettisten Michael Kerstan und Christian Lehnert italienisches und deutsches Kolorit mit den Turbulenzen einer Jugend auf der Suche nach Lebensglück. Geschickt nutzt Ausstatter Christof Hetzer die Tiefe des Raums in der alten Zechenhalle für das von Pierre Audi mit leichter Hand inszenierte Stationen-Spiel. Vor allem Sopranistin Hanna Herfurtner als Gisela mit fabelhaften ariosen Passagen und Tenor Fausto Reinhart als Gennaro, aber auch Bariton Michael Dahmen als Hanspeter meistern die lyrischen Partien in der klassischen Dreieckskonstellation der italienischen Oper fabelhaft. Faszinierend, was Steven Sloane dem als Studio der Musikfabrik firmierenden Jugendensemble des Landesmusikrats und dem überragenden Jugend-Kammerchor der Chorakademie Dortmund an hellen mediterranen Formen mit melancholischen Eintrübungen entlockt. Noch in den zarten Streicherflächen und reichlich eingestreuten Instrumentalsoli erweist sich Henzes Musik als inspiriert und kraftvoll."

Neue Westfälische, Bernd Aulich / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Henze erweist sich nicht nur in der Stoffwahl einmal mehr als Romantiker. Er stellt seine transparente, oft geradezu kammermusikalisch zurückgenommene Komposition ganz in den Dienst des Bühnengeschehens und verwebt in seiner handwerklich souveränen Weise unterschiedliche Ansätze traditioneller und Tonsprachen miteinander. Im Mittelpunkt steht das Wort, das trotz fast durchgängiger Kantabilität jederzeit verständlich bleibt. Ein besonderes Anliegen des Komponisten, dessen Umsetzung durch den Einsatz von Microports bei den Sängern in der akustisch nicht gerade einfachen Halle Zweckel sichergestellt wird. Auch die Protagonisten dieser Dreiecksgeschichte sind entweder noch im Studium oder haben dieses gerade absolviert. Henzes Ausgestaltung der - gleich wohl anspruchsvollen - Partien gibt den junger Sängern, allen voran der bereits Ruhrtriennalen-erprobten Hanna Herfurtner, Gelegenheit zu glänzen. Gleiches gilt für das Studio musikFabrik, ein Jugendorchester, das aus herausragenden Teilnehmern des Wettbewerbs "Jugend musiziert" zusammengesetzt ist und hier von Steven Sloane, dem Bochumer Generalmusikdirektor, umsichtig geführt wird. Dem Bühnenbildner Christof Hetzer gelingt es, die gesamte Halle einzubeziehen. Das Publikum sitzt am Kopfende erhöht auf einer Tribüne, unterhalb davon Orchester und Chor, so dass sich die Weite des Raumes wie eine Bühnenlandschaft eröffnet. (…) Pierre Audis Inszenierung entwickelt sich im Stil eines 60er-Jahre-Italien-Sehnsuchtfilms linear entlang des Textes. Mit kaum 90 Minuten hat das wortwitzige und unterhaltsame Werk eine Länge, die die Geduld von Pennälern nicht überstrapaziert."

Nürnberger Nachrichten, Rolf Christoph Hemke / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Schlicht und skurril zugleich ist die Geschichte, die Henze mit einfachen Mitteln und einem teilweise stark ausgedünnten klassischen Instrumentarium erzählt. Es klingen Zitate von Monteverdi an, ganze Passagen erinnern verdächtig an Richard Strauss. In den drei Traumsequenzen greift Henze sogar explizit auf Triosonaten von Bach zurück, die er für Vibraphon und Harfe gesetzt hat. Altersmilde könnte man diesen Stil nennen, klassizistisch, gepflegt, ohne Ecken und Kanten. Bewusst versteht er sein Alterswerk als Neuschöpfung mit der Jugend für die Jugend. Unter der musikalischen Leitung von Steven Sloane spielt das Studio musikFabrik. Aus Absolventen der Folkwang-Hochschule rekrutieren sich Darsteller und Tänzer. Der Jugend-Kammerchor der Chorakademie Dortmund singt, und auch die drei Hauptrollen sind sehr jung besetzt.  Regisseur Pierre Audi setzt auf starke Bilder und karikierende, an die Commedia dell'arte erinnernde Personenführung. Das könnte hohen Unterhaltungswert haben, wirkt aber tatsächlich oft bloß schematisch und stellenweise banal. Wie überhaupt der ganze mit hohem Aufwand realisierte Abend in der Summe eigenartig flach und pauschal bleibt. Bei allem Charme, den der Einsatz der jugendlichen Akteure ausstrahlt, bleibt fraglich, ob dieses Werk tatsächlich die Jugend anspricht."

Leipziger Volkszeitung, Constanze Schmidt / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Turbulent geht es durch den Raum, und vorn an die Zuschauertribüne schmiegen sich die Musiker, das Studio Musikfabrik und der Jugend-Kammerchor der Chorakademie Dortmund. Keiner ist da über 25, und alle leisten Vorzügliches, vor allem das Solistentrio Hanna Herfurtner (Gisela), Fausto Reinhart (Gennarino) und Michael Dahmen (Hanspeter). Steven Sloane, der Bochumer GMD, ist ihnen am Pult ein pädagogisch umsichtiger Navigator. Im Raum schwebt gleichwohl der Geist alter Sonette und Madrigale; immer wieder nehmen Henzes Instrumentations-Kostbarkeiten ihren Ursprung in jungfräulichen Dur- oder Mollakkorden, die sich zu bestrickenden Klangtextilien auflösen. Henze schreibt immer noch mit leichtem Parfüm, das nun aber fein und unmerklich wie nie durch den Raum zieht. Gelegentlich erleben wir kleine Schlagzeugkonzerte, die bald wieder der Orchester-Lyrik weichen. Es summt da viel Melodiöses, Sangliches, und wenn die Nacht über den Liebenden hereinbricht, darf das Englischhorn nicht fehlen. Für die Szene mit Giselas drei erregend-erlebnisdichten Träumen hat Henze drei Orgeltrios vom alten Bach bearbeitet, so wie er schon mit Monteverdis "Ulisse" für Salzburg getan hatte: Kolorierung von Linien durch Klangzauber vom Synthesizer bis zum Kontrafagott."

Rheinische Post, Wolfram Goertz / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"So kleidet Henze die oftmals alptraumhafte Szenerie, das Commedia-dell-Arte-Gewimmel, die aufscheinende Märchen-Romantik in irisierende Klänge - reich an Ausdruckserfahrung. Alles erscheint souverän bis ins Detail gestaltet. Der nunmehr 84-Jährige mischt Tonalität und Atonalität, man spürt den gesamten Kosmos hiesiger und ferner Klangkulturen - bislang unerhörte Klänge im "Konzertsaal Maschinenhalle"!"

WAZ, Detlev Kittler-Capredon / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Gisela!


"Mit einem großen Premieren-Wochenende hat die Kulturhauptstadt den Komponisten Hans Werner Henze gefeiert. Das Theater Hagen beteiligte sich daran mit dem Ballettabend "Molière", zu dem das Tanzschauspiel "Le disperazioni del Signor Pulcinella" des 84-jährigen Meisters gehört. Das Publikum würdigte die Leistung des unglaublich engagierten Hagener Ballett-Ensembles mit Beifall im Stehen. (…) In seiner Musik zu "Le disperazioni del Signor Pulcinella" nach Molières "Georges Dandin" spielt er (Henze, Anm.d.R.) kunstvoll mit den verschiedensten Tanzformen der Musikgeschichte, verknüpft höfische Elemente mit modern-verfremdeten Rhythmen. Immer wieder heben sich lyrische Passagen aus dem stark vom Schlagwerk betonten Orchestersatz heraus: Im Mittelpunkt steht die Sympathie für den reichen Bauern, der ein adliges Mädchen heiratet, das ihm Hörner aufsetzt. Hagens Ballettdirektor Ricardo Fernando kontrastiert die oberflächliche Eitelkeit der aristokratischen Gesellschaft mit der herzlichen Menschlichkeit und der tiefen Verzweiflung des Pulcinella, der von Andre Baeta mit vielen großen und bewegenden Soli getanzt wird."

Westfalen Post, Monika Willer / 27.09.2010
Weitere Informationen zu Molière


"Das Ruhrgebiet ist mit seinen insgesamt 53 Städten - die größten sind Dortmund, Duisburg und Bochum - in diesem Jahr Europas Kulturhauptstadt. Kultur heißt in der Region, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kunstvoll zu etwas Neuem zu verknüpfen. Kein Wunder, hat doch das Ruhrgebiet mit seinen heute 5,3 Millionen Einwohnern sich selbst neu erfunden und einen unglaublichen Wandel vollzogen - und steckt noch mittendrin. "Metropole im Werden" lautet daher das Motto von RUHR.2010. [...] Die gesamte Region feiert sich selbst als lebenslustige, kulturelle Metropole, ausgelassen und nachdenklich: auf Straßen, Brücken, in Zügen, am Wasser oder in Zechen, mit Theater, Konzerten, Ausstellungen und Festivals. Und auch wenn das Ruhrgebiet nicht mehr Kulturhauptstadt ist, wird es noch viel Neues bieten, ohne dabei seine Herkunft zu verleugnen."

DAAD Letter / 22.09.2010

"Urlaub in Deutschland boomt wie nie. Kein Wunder, wenn man so wunderbare Landschaften, tolle Städte und besondere Events quasi vor der Haustür hat. (...) Mit dem Rad durch den Pott. Tristesse aus Kohlehalden und Hochöfen? Weit gefehlt! Los geht es in luftiger Höhe - 666 Meter ü. d. M. im Sauerland an der Ruhrquelle. An ihrem Ufer entlang - genau 238 Kilometer weit bis zur Mündung bei Duisburg - schlängelt sich einer der schönsten Radwege im ganzen Land: der Ruhrtalradweg. Vier Tage braucht man für die gesamte Strecke. Es geht durch 23 Städte und Kommunen, vorbei an blühenden Landschaften, Industriedenkmälern wie dem Bergbau-Museum in Bochum und... Hochspannungsmasten, die als farbenfrohe Leuchttürme grüßen. Dieses Jahr kommt viel Kunst des (Rad-)Weges, denn das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas 2010."

Freundin / 22.09.2010

"Die Unternehmen im Ruhrgebiet führen eine Tradition fort, die Karl Ernst Osthaus vor über 100 Jahren angestoßen hat: Er wollte die kulturelle Entwicklung im Industrieraum fördern. Heute finden sich bedeutende Meisterwerke nicht nur in den Museen der Region, sondern auch in den Sammlungen von Unternehmen. Die "Unternehmensgalerie Ruhr" macht erstmals Werke, die sonst auf Vorstandsetagen Mitarbeitern und Besuchern vorbehalten sind, einem größeren Publikum zugänglich. Der Bogen der Objekte spannt sich durch die Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei die Malerei eine herausragende Rolle spielt. Aber auch Fotografie, Grafik, Bildhauerei und Videokunst werden auf hohem künstlerischem Niveau gesammelt. Die Exponate werden im Kunstmuseum Bochum gezeigt, einige Unternehmen machen Werke auch in ihren eigenen Räumen zugänglich."

WAZ / 22.09.2010
Weitere Informationen Unternehmensgalerie Ruhr

"Bisher größter prozentualer Anstieg der Übernachtungszahlen im Kulturhauptstadtjahr: Mit fast 32 Prozent mehr Übernachtungsgästen war der Juli 2010 der Monat im laufenden Jahr mit dem stärksten Besucheranstieg im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres. 299.182 Gäste besuchten die Region im Juli, die Zahl der Besucher aus dem Ausland stieg um 27,3 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Juli um 23,8 Prozent auf 583.998. Erneut liegt der Anstieg der Besucherzahlen im Ruhrgebiet weit über dem Landesdurchschnitt; NRW-weit wurde ein Anstieg von 17,4 Prozent verzeichnet. Für das gesamte Jahr 2010 (Januar bis Juli) liegen die Gästezahlen der Beherbergungsbetriebe nun bei 14,1 Prozent über den Zahlen von 2009, landesweit nur bei 7,4 Prozent."

newsmax.de / 21.09.2010

""SEE YOU Jugend.Kultur.Preis.Festival NRW & Ruhr.2010" - länger kann ein Name gar nicht sein. Inhaltlich kann eine Veranstaltung aber auch kaum besser sein. Was Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus ganz NRW am Wochenende im FZW, dem U und im Spiegelzelt vor der ehemaligen Brauerei zeigten, zeugte von dem unerschöpflichen Quell kindlicher Kreativität. (…)  Es gab Fotoausstellungen, Dokumentationen, Musik und Tanz und Kurzfilme sowie Theateraufführungen. (…) Wenn Kinder schon nicht an die Macht kommen, so sollten sie doch wenigstens in der Kultur öfter zu Wort kommen. Es lohnt sich."

Ruhr Nachrichten / 20.09.2010
Weitere Informationen zu SEE YOU

"Nachhaltigkeit und Netzwerke - zwei Schlagworte, die sich die Kulturhauptstadt zu Eigen gemacht hat. In dem Projekt "GrenzGebietRuhr" werden sie Realität: Zwölf Kunstvereine und zwei Künstlerhäuser haben drei Jahre lang 15 Ausstellungen zum Thema "Grenze" vorbereitet."

Westfalen Post, Nadine Albach / 18.09.2010
Weitere Informationen zu GrenzGebietRuhr

"Im Ruhrgebiet hat die Kultur zurzeit eine besondere Bedeutung, da die Region nach dem Niedergang der Montanindustrie immer noch in einem tiefgreifenden Strukturwandel steckt und nach Alternativen sucht. Dass die Kultur- und Kreativwirtschaft im "Pott" schon auf über 13.000 Unternehmen mit 74.000 Mitarbeitern kommt, die einen Umsatz von mehr als 8 Mrd. Euro erwirtschaften, macht da Hoffnung. Die Branche selbst sieht sich bereits als treibende Kraft der Veränderungsprozesse in der vielleicht immer noch wichtigsten deutschen Industrieregion. Und sie schafft es auch, immer wieder sichtbare Zeichen zu setzen. Am letzten Sonntag zum Beispiel im Landschaftspark Nord in Duisburg: 1.300 Sänger und Musiker präsentierten auf den Tag genau 100 Jahre nach der Premiere in einer aufsehenerregenden Aufführung die 8. Sinfonie von Gustav Mahler - in der Kraftzentrale eines früheren Stahlwerks. Die Umbrüche der Ruhr-Wirtschaft waren selten so greifbar. Die "Sinfonie der Tausend" war ein Höhepunkt des europäischen Kulturhauptstadtjahres 2010, für das ja eigentlich Essen den Zuschlag erhalten hatte, in das aber die anderen mehr als 50 Städte und Kommunen des Ruhrgebiets mit einbezogen sind. Im ersten Halbjahr kamen fast 5 Millionen Besucher zu den Veranstaltungen der "RUHR.2010", die unter dem passenden Motto "Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel" stehen. Angesichts zahlreicher Großveranstaltungen im zweiten Semester könnte Essen noch zum größten Publikumsmagneten in der 25-jährigen Geschichte der Kulturhauptstadt aufsteigen. Seit 2008 hält diesen Titel Liverpool mit 9,7 Millionen Besuchern. Trotz der "Loveparade"-Tragödie zeigen sich die Unternehmen im Ruhrgebiet - allen voran die großen Sponsoren - mit dem bisherigen Verlauf des Hauptstadtjahres weitgehend zufrieden. Sie wissen sehr genau, dass es eines gewissen kulturellen Umfeldes bedarf, um fähige Mitarbeiter ins frühere Stahl- und Kohleland zu locken oder sie dort zu halten. Nicht umsonst haben sich die rund 60 größten Konzerne der Region schon vor Jahren zum Initiativkreis Ruhr zusammengeschlossen, um das Image des Ruhrgebiets auch mit Hilfe von Kulturveranstaltungen zu fördern. Das von dem Kreis initiierte Klavierfestival lockte allein 2010 mehr als 60.000 Besucher in die Konzertsäle. Die Unternehmen des Initiativkreises stehen immerhin für ein Umsatzvolumen von 630 Mrd. Euro und bilden damit einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor. Moderator der Organisation ist Ex- Eon-Chef Wulf Bernotat, der als Aufsichtsratschef der RUHR.2010 GmbH auch die Aktivitäten des Kulturhauptstadtjahres kontrolliert. Nach der Aufführung von Mahlers 8. zeigte sich Bundespräsident Christian Wulff, der am Wochenende mit zahlreicher weiterer Politprominenz nach Duisburg gereist war, "beeindruckt", wie ideenreich das Ruhrgebiet den Herausforderungen durch den Strukturwandel begegnet. Bernotat und seine Managerkollegen aus dem Initiativkreis wissen aber trotzdem genau, wie viel Nachholbedarf es noch gibt. Gerade im Bereich Bildung und Forschung könne das Ruhrgebiet noch längst nicht mit anderen Regionen in Deutschland mithalten, warnte auch schon der Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt. Und wie nachhaltig das laufende Hauptstadtjahr wirkt, muss sich erst noch beweisen."

Börsen-Zeitung, Andreas Heitker / 17.09.2010

"Blüten am Asphalt begegnet man derzeit im Essener Stadtgebiet. Ursprung der sehenswerten Aktion "Augen-Blicke" ist eine Kooperation der Essener Folkwang Universität der Künste mit der britischen Universität Sunderland. Zum Kulturhauptstadtjahr haben die Studenten 120 Plakatwände ohne Werbebotschaft gestaltet. Ein wenig Entdeckergeist ist schon gefragt, zwischen Mobilfunkbetreiber und Mediamarkt auf die teils konkreten, teils auch rätselhaften Motive zu treffen. Wer sehen will, welche kreativen Blüten das Plakatieren ohne Werbe-Auftrag, ohne wirtschaftliche Zweckgebundenheit treiben kann, sollte sich sputen. Die ersten Werke müssen Ende nächster Woche wieder der echten, bezahlten Werbung weichen."

WAZ / 17.09.2010
Weitere Informationen zu Augen-Blicke

"Etwas Anarchie. Stören. Sich entziehen. Drei Gedanken, die das Projekt "Hacking the City" formen. Ausgehend vom Museum Folkwang soll der öffentliche Raum zurückerobert werden. 14 Künstler und Performance-Gruppen bilden den Kern dieses Teils der Ruhrkunstmuseen-Reihe der RUHR.2010. Während Konsumzwang, Überwachung und technische Systeme den öffentlichen Raum bestimmen, drehen sie den Spieß um. Ihre Arbeiten sind Reaktionen."

Dorfener Anzeiger, Felix Guth / 15.09.2010
Weitere Informationen zu Hacking the City

"Die Jacquard-Ausstellung des Landkreises Görlitz fasziniert das Ruhrgebiet und wirbt mit Erfolg für die hiesige Region. Mit einer faszinierenden Vernissage wurde in Ennepetal am Rand des Ruhrgebietes, knapp 700 Kilometer westlich des Landkreises Görlitz, die "à la Jacquard"-Ausstellung eröffnet. Dabei handelt es sich um das Rückspiel der gemeinsamen Kunstschau, die im Mai/Juni in Görlitz/Zgorzelec zu sehen war. Die Schau ist bei der RUHR.2010 als einziger gemeinsamer Beitrag der Finalisten der Kulturhauptstadtbewerbung wahrgenommen worden und hat die Region des Landkreises Görlitz bekannter gemacht."

Sächsische Zeitung, Bettina Ernst-Betram / 15.09.2010
Weitere Informationen zu Alajacquard

""My soul feels free" dröhnt aus den Boxen. Und genau das ist auch auf der Bühne zu sehen: Junge Tänzer, die sich zu schnellen Hip-Hop-Beats die Seele aus dem Leib tanzen. Sie wirbeln über den Boden, springen akrobatisch durch die Luft und drehen sich sekundenlang auf dem Kopf. Moven, Shaken, Breakdancen - das Premieren-Publikum wird von den energiegeladenen Tanz-Einlagen mitgerissen. Je schneller die Musik, desto begeisterter wird geklatscht. Am Ende gibt es stehende Ovationen für das 39-köpfige Tanz-Ensemble "RuhrNation" und seine Show "A Way of Dance". Das ausverkaufte lila Kuhzelt auf dem Recklinghäuser Rathausplatz steht Kopf."

Recklinghäuser Zeitung, Daniela Sola / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Ruhrnation - A Way Of Dance


"Das Publikum, das am späten Sonntagnachmittag die Kraftzentrale in Duisburg betrat, sah sich einer hohen Tribüne gegenüber, die am Ende aufstieg und bereits voll besetzt war: Nein, keine Zuschauer, sondern die Chorsänger der "Vokalsinfonie", die - so Mahler - "von Anfang bis Ende durchgesungen wird". 1150 an der Zahl, hatten sie in drei großen Blöcken bereits Platz genommen. Davor teilte ein Podium den Raum, auf dem ein Orchester mit hundertachtzig Musikern saß, und hinter ihnen besetzten der Kinder- und der Jugendchor die beiden Seiten. Ein Band von Sonnenblumen markierte den Bühnenrand, wie sie weiland die Parteitage der Grünen dekorierten. Die Mobilmachung, für die sechs Orchester der Kulturhauptstadt Ruhr und sechsundzwanzig Chöre aus Nordrhein-Westfalen zusammenstanden, galt einer Darbietung des Monumentalwerks, die, auf den Tag genau hundert Jahre nach der Uraufführung, deren Großaufgebot von angeblich 1030 Mitwirkenden noch übertraf und nur, was die Zuschauer angeht (2650 gegenüber damals 3200), dahinter zurückblieb. "Veni, creator Spiritus", hebt es vielstimmig an, skandierend antworten Posaunen, Pauken und Trompeten, ungestüm drängt die Komposition, deren Textvorlage den mittelalterlichen Pfingsthymnus und die Schlussszene aus Goethes "Faust II" verknüpft, nach vorne. Der ekstatische Jubel und die Bitte um das Erleuchten der Sinne werden grandios ausgebreitet, und doch schälen sich, von Lorin Maazel mit großmeisterlichem Charme dirigiert, gerade die leisen, schwebenden Partien geheimnisvoll farbenreich heraus. Am Ende wächst der Chorus mysticus aus dem äußersten Pianissimo in die gewaltige Steigerung und erreicht eine nuancierte Klangfülle, als sei das Werk für diesen Ort geschaffen. Sieben Wochen nach der Love-Parade-Tragödie wurde die Aufführung in Anwesenheit des Bundespräsidenten auch zum Gedenken an die einundzwanzig Toten: nicht erst durch die Schweigeminute, sondern aus dem Werk selbst heraus, in dem sich die Ideen der Liebe und Gnade, Glaubenskraft und Erlösungsgedanke verbinden."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Rossmann / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Analog zu den rund 100 Jahren, die zwischen den Texten der beiden Teile liegen, umfasst Mahlers Musik so ziemlich alles, was das beginnende 20. Jahrhundert aufzubieten hatte: von der strengen Fuge bis zur mandolinenbegleiteten Serenade. Eine Vielfalt, für die das Ruhrgebiet gerne stehen würde, jetzt, nachdem die Epoche von Bergbau und Stahl zu Ende ist. Der Abend in der Kraftzentrale demonstrierte schon mal die neue, die kulturelle Vielfalt. Trotz mancher Unzulänglichkeiten an diesem Abend: Aus der Kraftzentrale kommt immer noch jede Menge Energie für das Ruhrgebiet."

Neue Osnabrücker Zeitung, Ralf Döring / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Das Ereignis sollte dem "Revier" an Emscher und Ruhr die blank geputzte Gloriole einer aus der Schlacke erstandenen Kulturregion aufsetzen: 25 Chöre und alle sechs Kulturorchester, die im Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Hagen beheimatet sind, spielen und schmettern in 1300-köpfiger Bataillonsstärke Gustav Mahlers Achte Sinfonie in einer Duisburger Industriehalle. So ist es als Höhepunkt der Kulturhauptstadt 2010 geplant worden - und so wird es in einem organisatorischen Bravourakt durchgeführt, genau einhundert Jahre nach der Münchner Uraufführung der Sinfonie am 12. September 1910. [...] Aber eigentlich geht es in Duisburg gar nicht so sehr um kompositorische Details und Werktreue, sondern um etwas Andreres. Der flehende "kulturpolitische Appell" gegen den Kulturabbau nordrhein-westfälischer Kommunen im Programmheft und die Rede des Bundespräsidenten bei der Nachfeier machen das deutlich: Es geht um die imposante Bündelung von Kräften, die nach dem Verglimmen des Kulturhautstadtjahres endgültig auseinanderzufallen drohen. Gegen dieses Signal hätte auch Gustav Mahler sicherlich nichts gehabt."

Süddeutsche Zeitung, Michael Struck-Schloen / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Zwischendurch lächelte auch Maazel, als er befriedigt feststellte, dass ihm in dieser Kraftzentrale, die einem Hangar ähnelte, kaum etwas aus dem Ruder lief. Die Tempi waren überaus langsam, der Maestro fürchtete einen klanglichen Mischmasch, zu dem Ekstase in diffusen Räumen leicht verkommt. Aber hier klang alles unerwartet gegliedert, überlegen gestaffelt, ohne dass die Interpretation an Kühnheit und Wucht verlor. Im Gegenteil: Maazels fast aufreizende Ruhe erzeugte einen Leidens- und Erwartungsdruck, der irgendwann umschlug in positive Gewalt. Man fügte sich da rein und genoss es umso stärker. Über allem thronte der Chor, in dem Profis und Laien sich im Sinne von RUHR.2010 kongenial vermählten, sozusagen ein Leib und eine Röhre wurden - es gab von dieser Seite maximale Opulenz und auch manches wundervolle Piano. Nicht minder prächtig das Orchester, das aus allen Ruhrorchestern fusioniert war. Berückend die vokalen Soli. Toll die Kinder. Unser Dank kann nicht groß genug sein."

Rheinische Post, Wolfram Goertz / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Der inzwischen 80-jährige Lorin Maazel aber reagierte auf eine mögliche Trauerstimmung mit einer Abgeklärtheit und Fulminanz, wie sie diesem alle Gattungen spottenden Bekenntniswerk nur allzu gut tut. [...] Der zukünftige Chef der Münchner Philharmoniker setzte ganz auf die Durchdringung der weiträumigen Klangarchitektur. Und obwohl er der Sinfonie so eine vorzügliche Passform in chorischer Artikulation und orchestraler Transparenz verlieh, entdeckte er bislang unerhörte Farben der Expressivität und des Resignativen. So "russisch" dämonisch und leidvoll, fast wie ein Klagegesang von Modest Mussorgsky, hat man selbst den Eingangschor "Waldung, sie schwankt heran" des "Faust"-Teils selten gehört. Das vielleicht Erstaunlichste war aber, dass Maazel kein eingespieltes Gardeorchester dirigierte. So wie sich der Chor aus Mitgliedern aus den Opernhäusern und Musikschulen des Ruhrgebiets zusammensetzte, so wurden für diese einmalige Aufführung Musiker aus sechs Orchestern ausgewählt. Was organisatorisch ein Kraftakt gewesen sein muss, entpuppte sich künstlerisch als ein "Freudenspender" auf sensationell hohem Niveau."

Frankfurter Rundschau, Guido Fischer / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Bundespräsident Christian Wulff sieht das Ruhrgebiet durch die Veranstaltungen des Kulturhauptstadt-Jahres auf einem guten Weg. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre und vor allem die Projekte der RUHR.2010 GmbH hätten "das Interesse für die gesamte Region" geweckt, sagte Wulff am Sonntagabend anlässlich der Aufführung der 8. Sinfonie von Gustav Mahler in Duisburg. Das Kulturhauptstadt-Jahr mache deutlich, wie engagiert und ideenreich das Ruhrgebiet den Herausforderungen begegne, vor die es durch den Strukturwandel gestellt worden sei."

Stuttgarter Zeitung / 14.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Konzert im Duisburger Landschaftspark riss Zuhörer zu Ovationen hin: Es waren gar nicht unbedingt die dynamisch druckvollsten Stellen, die am meisten beeindruckten, als am Sonntag 1.300 Sänger und Instrumentalisten des Reviers im Rahmen des RUHR.2010-Projekts "!SING Gustav Mahlers Sinfonie der Tausend" in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg zur Aufführung brachten. Wie etwa am Ende des zweiten Satzes mit der Schlussszene aus Faust II der leise Beginn des "Chorus mysticus" von dem Riesenchor unter dem Stardirigenten Lorin Maazel zum wirklichen Mysterium gestaltet war, ging unter die Haut. Und wie die Klangmassen zum Schluss mächtig anschwellen, das war gerade nach diesem geheimnisvollen Pianissimo von entwaffnender Wirkung und riss die rund 2.500 Hörer zu Ovationen hin."

WAZ, Hajo Berns / 13.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Monumental war der optische und akustische Eindruck von Mahlers "Sinfonie der 1000" Sonntagabend in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg. (...) Star-Dirigent Lorin Maazel dirigierte ein Ensemble von 1.350 Mitwirkenden, das mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Erstmals hatte sich ein Orchester aus Musikern aller Revier-Orchester formiert. Es war eines der größten Orchester (180 Instrumentalisten), das im Ruhrgebiet je auf einer Bühne stand. Den imposanten, 1.150-stimmigen Chor bildeten Sängerinnen und Sänger aus 25 Chören. Vor 100 Jahren wurde Mahlers achte Sinfonie uraufgeführt - diese hochkarätige, vom Publikum in der ausverkauften Halle umjubelte Rekonstruktion der Uraufführung von 1910 bleibt als eine der imposantesten Veranstaltungen des RUHR.2010-Programms lange in Erinnerung."

Ruhr-Nachrichten online, Julia Gaß / 13.09.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend


"Poetry Slams haben sich zu einer Art literarischem Volkssport entwickelt. Entstanden 1986 in Chicago, verbreiteten sich die Wettkämpfe in den 90er-Jahren weltweit. Allein in Deutschland fanden im vergangenen Jahr Slams an 100 Veranstaltungsorten statt. (...) Europas größter Poetry Slam findet im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 statt. Derzeit startet die "Road To Slam 2010", das sind diverse Vorausscheidungen im Ruhrgebiet. Das große Finale mit über 150 Poetinnen und Poeten aus mehr als 80 Städten steigt dann am 13. November in der Bochumer Jahrhunderthalle."

Welt am Sonntag, Helga Reitter / 12.09.2010
Weitere Informationen zu SLAM2010


"Monumente der Industriekultur, ohne die man die europäische Wirtschafts- und Kulturgeschichte nicht verstehen kann, hervorragende Kunstmuseen und die wenig propagierte, aber unbedingt sehenswerte Weltsensation Essener Domschatz lassen darauf hoffen, dass die Popularität des Kulturhauptstadtjahres nach dem Willen der Macher lange anhält."

budapester.hu, Gergely Kispál / 07.09.2010

"Geboren aus der "TWINS"-Reihe stellten die Partnerstädte Oberhausen und Carbonia-Iglesias auf Sardinien beim Blick in Geschichte und Gegenwart einige Gemeinsamkeiten fest: einst wichtige Zentren für den Kohlebergbau, heute vom Strukturwandel geprägt. So wurde für RUHR.2010 die Reihe "Im Schoß der Erde" ersonnen, die auf unterschiedlichste Art und Weise von der Arbeit unter Tage erzählt. [...] Für "Canti delle Miniere" konnte die berühmte sardische Sängerin Elena Ledda gewonnen werden. Begleitet wurde sie von einer internationalen Künstlergruppe aus NRW mit der Sopranistin Agnes Erkens, der Pianistin Laia Genc und dem Klarinettisten und Saxofonisten Alessandro Palmitessa. Das Quartett präsentierte ein bemerkenswertes Programm, für das vertonte Gedichte von sardischen und deutschen Bergarbeitern, eigene Kompositionen und neue Arrangements mit Projektionen von Fotos und Videos der Arbeit unter Tage kombiniert wurden. [...] So begeisterte die arrangierte Neuinterpretation von "Glück auf! Der Steiger kommt!" und beim "Tanz des Bergarbeiters" sprang eine Besucherin sogar auf und tanzte mit. Ein in jeder Hinsicht fantastischer Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr."

WAZ, Benedikt Filthaus / 07.09.2010
Weitere Informationen zu Im Schoß der Erde und TWINS

"Wunderbar, Elogen auf die Geschichte unter Tage, gesungene Hymnen auf den Bergbau. Das Konzert "Im Schoß der Erde", das am Samstagabend im Großen Haus des Theaters am Will-Quadflieg-Platz 1 eine mehrteilige Veranstaltungsreihe gleichen Namens zu RUHR.2010 eröffnete, gehörte sicherlich zu den bislang außergewöhnlichsten Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres. Ohne die enge Verbindung der Stadt Oberhausen mit dem sardischen Ort Carbonia-Iglesias, dessen Geschichte ebenfalls vom Bergbau geprägt ist, hätte es dieses großartige TWINS-Projekt zur Kulturhauptstadt wohl kaum gegeben. Und nicht dieses Konzert, das vier brillante Musiker auf die Oberhausener Theaterbühne brachte. Lieder aus dem Bergbau wechselnd in sardischer und deutscher Sprache, fein abgestimmt balancierend zwischen südländischem Temperament und einer ans klassische deutsche Kunstlied gelehnten Interpretation. Mal schier explodierend, dann wieder nachgerade sinnlich am Flügel von Laia Genc und an Klarinette wie Saxophon von Allessandro Palmitessa begleitet, fügten die wohl bedeutendste sardische Sängerin Elena Ledda und die deutsche Liedgestalterin Agnes Erkens Elemente aus Jazz und Folk, aus Gospel, Chanson und Oper zu einem musikalischen Ereignis. Vor klassischen Hintergrundbildern aus sardischen und deutschen Gruben konfrontierten sie das begeisterte Publikum mit gesungenen, teils raren Gemälden aus der so außergewöhnlichen Welt unter Tage. Es sind anrührende, auch kraftvolle Balladen, mit denen zwei exzellente Frauenstimmen sich eine Männerwelt aneignen, biegsame Kantilenen erzählen von einer rauen Welt. Keine Frage, die Interpretation einiger Strophen des ursprünglichen Steigerliedes, entstanden teilweise schon Anfang des 16. Jahrhunderts in den ostdeutschen Erz- und Silberminen und um 1700 erstmals in einem Liederbuch im sächsischen Freiberg veröffentlicht, wächst zum Höhepunkt des Konzertes. Wie Agnes Erkens sich dem Klassiker, der in abgewandelter Form trotz aller Grönemeyers und Co. immer noch die Hymne des Ruhrgebietes ist, nähert, das hat der Chronist in dieser Eindringlichkeit noch nicht gehört. Glückauf!"

WAZ / 06.09.2010
Weitere Informationen zu Im Schoß der Erde und TWINS

"Miteinander der Städte. Nachhaltigkeit. Identität. Internationalität. Das sind bekanntlich Schlagworte, mit denen die Kulturhauptstadt RUHR.2010 ihre Daseinsberechtigung stets orchestriert hat. Dass die Schlagworte keine leeren Hüllen bleiben, sondern sich mit Leben gefüllt haben (und immer noch füllen), das ist nach acht gelebten Monaten Kulturhauptstadt tatsächlich vielerorts zu erkennen. Sogar auf einem Feld, das gemeinhin nicht allzu sehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht: In den Stadtarchiven und stadthistorischen Instituten der Revier-Gemeinden. Die Archive zwischen Gelsenkirchen und Marl, Essen und Recklinghausen, Dinslaken und Bochum haben sich - erste Überlegungen reichen bis 2006 zurück - in einer Art konzertierter Aktion ins große von der RUHR.2010 moderierte Spiel um Aufmerksamkeit eingebracht. Gemeinsamer Titel des interkommunalen Kulturhauptstadtprojektes: "Fremd(e) in Revier." (…) Die einzelnen Ausstellungen von mit ihren Themenschwerpunkten und Öffnungszeiten sind unter www.ruhr2010.de abrufbar. Einen guten Überblick gibt aber auch der Begleitband zu "Fremd(e) im Revier", der jetzt im Klartext Verlag erschienen ist. Das opulent aufgemachte Buch vermittelt anhand zahlreicher farbiger Abbildungen einen Eindruck der neun Präsentationen. Beiträge von 25 Autoren untersuchen das Gegen-, Neben- und Miteinander von Fremden und Einheimischen im historischen Längsschnitt. Das hört sich jetzt eher trocken an, ist aber, wenn man sich darauf einlässt, ziemlich spannend. Denn es geht beim Thema ja um nichts anderes als unsere ur-eigene Existenz und unser Selbstverständnis als "Ruhris"."

WAZ, Jürgen Boebers-Süßmann / 03.09.2010
Weitere Informationen zu Fremd(e) im Revier


"Magischer Würfel: In einer Bochumer Ruine ist ein außerweltlich schöner Museumskubus entstanden. Der Bau steht da wie eine lichtblaue Lotusblüte aus Glas, mit perlenden Blütenblättern und zackigem Blattkranz. Mitten in einer 550 Jahre alten Ruine errichtet, bildet der Neubau der "Stiftung Situation Kunst" im Schlosspark Weitmar den offiziellen Beitrag der Stadt Bochum zu "RUHR.2010". Von morgen an zeigt hier die Eröffnungsausstellung "Weltsichten" Fotoarbeiten und Video-Sound-Installationen - und vervollständigt so den "Blick auf die Landschaft in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert" aus dem vorangegangenen Teil dieser Ausstellung."

Die Welt, Dankwart Guratzsch / 03.09.2010
Weitere Informationen zu Situation Kunst
 

"Etwas weiter präsentiert sich 2010LAB.TV, quasi ein Vorzeigeobjekt der Kreativwirtschaft: LAB.TV versteht sich als "das digitale Quartier für Künstler und Kreative" und ist eine multimediale Plattform, ein digitales online-Labor, das zur Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010 mit Filmbeiträgen, Blogs und Audiocasts auftritt und natürlich zum Mitmachen einlädt, d.h. jeder kann sich unter dem Aufruf "Dabei sein!" registrieren und dann eigene Beiträge einspeisen. Eine "europaweite Community" bildet alle Branchen der Kultur und Kreativwirtschaft ab - hier kann man auch die Satire-Serie "Is' das Kunst oder kann das wech?" von den selbsternannten Experten Dr. Leopold Krieger (Kunstkritiker) und Lulu Robossi (Experte) sehen. Die beiden Künstler entdecken und hinterfragen unter ihren Pseudonymen die öffentliche Kunst, persiflieren die Kunstkritik und verballhornen u.a. die jährlich in der Dortmunder Westfalenhalle stattfindende Messe für Gestaltung, die "Creativa". Dabei versuchen sie den Unterschied zwischen Kunst und Hobby-Kreativität anhand des Leidens zu fixieren, das erstere erfordert, während letztere gerne auch Spaß machen darf."

Junge Kunst, Ann-Katrin Günzel / 01.09.2010
Weitere Informationen zu 2010LAB.tv


"Höhepunkt der Bottroper "Local-Hero"-Woche war eine Neuinszenierung von "Aida" im Amphitheater auf der Halde Haniel. [...] Das begeisterte Publikum, sichtlich angetan von der ungewöhnlichen Umgebung, feierte aber nicht nur die Inszenierung, sondern auch die beteiligten Solisten Elisabeth Otzisk als Aida, Ernesto Grisales als Radames, Maria Ferencik als Amneris und James Tolksdorf als Arnonasro - und auch die neu gegründeten Bottroper Symphoniker unter der Leitung von Joachim Mayer-Ullmann sowie der Projektchor aus Bottroper Chören wurden herzlichen in den Beifall miteinbezogen."

Opernglas / 01.09.2010

"Der gesellschaftliche Paradigmenwechsel in Richtung Inklusion von Menschen mit Behinderung hat in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an künstlerischen Projekten von und mit Menschen mit Behinderung gebracht: Festivals, Konzerte, Ausstellungen, Wettbewerbe, Preise. Die Kulturhauptstädte sind auch dabei - 2009 in Linz mit "Sichtwechsel", 2010 im Ruhrgebiet unter anderem mit "Europa InTakt"."

neue musikzeitung, Irmgard Merkt / 01.09.2010
Weitere Informationen zu Europa InTakt und Barrierefreiheit

"Seit über 30 Jahren versucht das Ruhrgebiet vergeblich mit bunten Bildern und flotten Sprüchen von seinem Schmuddelimage loszukommen. Das Jahr als "Kulturhauptstadt" hat immerhin eine Wirkung: Die Menschen zwischen Dortmund und Oberhausen glauben wieder an die Zukunft ihrer Region. (...) Ein selbstbewusstes, kulturinteressiertes und neugieriges Publikum hat hier längst die kleinbürgerlichen Lebenswelten hinter sich gelassen, die das Klischee mit Taubenzucht und Gelsenkirchener Barock verbindet, die "Neue soziale Mitte" im Ruhrgebiet ist das Ergebnis eines Wandlungsprozesses. (...) Die "Metropole Ruhr" positioniert sich als Kompetenzträger für sozial verträgliche und kulturell engagierte Städte- und Metropolentransformation, "Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur!" lautet das Credo des Kulturhauptstadtjahrs. Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Folgen der Globalisierung die Renaissance großer Stadtregionen einleiteten. (...) Der größte Erfolg zur RUHR.2010-Halbzeit ist die gewachsene innere Einheit der geschundenen Region. Vom kommenden Jahr an wird man die Ärmel hier noch etwas höher krempeln müssen, denn die öffentlichen Kassen sind leer. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Vielleicht entsteht wirklich ein starkes Stück Deutschland."

PR-Report, Harald Schiller / 01.09.2010
    
    

/ nach oben

Medien-Rauschen August 2010 (in Auswahl):


"Lichtkunst auf der Ruhr - die Kulturhauptstadt macht das Alltägliche zum Ereignis und manchmal zum Wunder. Alles fließt. Die Stadtlandschaft, der Fluss, die Struktur. Das Ruhrgebiet weiß es: Alles fließt und muss fließen, hier besonders. [...] Twilight ist die Dämmerung, das Licht zwischen Tag und Nacht, die Stunde, in der alle Lichter magisch werden. Es wird der Augenblick sein an jedem Abend bis zum 26. September, in dem sich die Kunst wie ein Flügel über die Ruhr legt und ihr Farben gibt, Bewegung und Bedeutung. [...] Von Hagen bis Duisburg wandern nun Lichtbilder und hinterlassen: nichts Fassbares. Etwas Flüchtiges, das als Idee an dem Ort bleiben wird, den es verzaubert hat."

WAZ, Gudrun Norbisrath / 31.08.2010
Weitere Informationen zu Ruhrlights


""Wo man nicht dem Schein erliegt", singt Herbert Grönemeyer in seiner RUHR.2010-Hymne. Allerdings erliegt man hier sehr wohl dem Schein und auch den Kern erkennt man nirgends auf Anhieb. Denn die alten Hütten, Hochöfen und Industriehallen sind längst nicht mehr das was sie einmal waren. Die alte Gebläsemaschinenhalle Bochum ist heute als Jahrhunderthalle ein beliebter Aufführungsort für Konzerte, die ehemalige Erzbahntrasse dient als Fahrradweg, das Brauereigebäude Dortmunder U ist heute ein Kultur- und Kreativzentrum, die Synagoge in Essen ein Ausstellungshaus und eine ehemalige Getreidemühle in Duisburg beherbergt heute Kunst der deutschen Nachkriegszeit. In der Mischanlage der Kokerei Zollverein findet Theater statt und in der ehemaligen Kohlenwäsche ist das Ruhrmuseum untergebracht."

oe1.orf.at, Katharina Menhofer / 30.08.2010

""A la Jacquard" ist die einzige Ausstellung, die als RUHR.2010-Projekt gemeinsam mit dem unterlegenen Kulturhauptstadt-Bewerber Görlitz veranstaltet wird, einst ebenfalls für Webindustrie bekannt. Die Schau war dort den Sommer über an vier Orten zu sehen. Organisiert wurde sie mit schmalem Budget vom ehrenamtlich strukturierten Kreisheimatbund Ennepe-Ruhr-Kreis, der damit auch beweisen möchte, dass solch regionalhistorisches Engagement nichts Verzopft-Muffiges an sich haben muss. Als Ausstellungsort hat man das erst im Entstehen begriffene Industriemuseum Ennepetal gewählt, um diesem ebenfalls ehrenamtlichen Projekt Schub für die Zukunft zu geben."

Süddeutsche Zeitung, Martin Kuhna / 28.08.2010
Weitere Informationen zu Alajacquard


"Fritz Pleitgen, ein "Sprachpanscher"? Diesen Titel möchte zumindest der Verein Deutsche Sprache (VDS) dem altgedienten Journalisten und Geschäftsführer des Spektakels "RUHR.2010" aufdrücken. Begründung: Seine Festgesellschaft bediene sich vieler "denglischer Imponiervokabeln". Freiwillige Helfer würden zum Beispiel "Volunteers" genannt. Pleitgen, 72, hätte seine "Autorität mehr in den Dienst der deutschen Sprache stellen können", sagt der VDS-Vorsitzende Walter Krämer. Gut, dass der Mann nicht noch entdeckt hat, dass auf der Website von "RUHR.2010" auch Hinweise auf "Interviews" und Auftritte von "Bands" stehen. "Sprachpanscher" sei hiermit außerdem schon mal als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen. Und: Muss es nicht eigentlich "Speechpuncher" heißen?"

Frankfurter Rundschau / 28.08.2010

"Dieses Ecce ist eine Art freundliche Krake der Kulturwirtschaft, die überall ihre Fühler haben soll, wo es kreativ wird, die bündelt, vernetzt, anregt, Impulse gibt. Ab Oktober sollen das im Dortmunder U rund 30 Mitarbeiter leisten, in Projekten, für die deutsche Worte von vornherein verboten zu sein schienen. Diverse Arbeitsgruppen heißen "Commissions", und die gibt es für die Kreativbezirke "Ruhr Music", "Ruhr Games", "Comm Commission" (dahinter stehen Werbung und Kommunkationsunternehmen), Design Commission und Film. Hinzu kommen (…) regionale und thematische Cluster (Bündelungen) in den Zentren des Ruhrgebiets. Und es sind noch diverse Kreativ-Areale geplant (wie das Dortmunder U als Vorzeigeobjekt), von denen nach öffentlichem Investment Impulse in Stadt und Region ausgehen sollen. (…) Jede Mühe lohnt sich, hat doch die Kreativwirtschaft zuletzt bundesweit 132 Milliarden Euro erwirtschaft. In der Ruhrregion sind etwa 13.200 Unternehmen der Kreativwirtschaft daheim - mit 74.000 Erwerbstätigen und einen Jahresumsatz von 8,2 Milliarden Euro. Und in Dortmund - auf dessen imposanter U-Turm-Fassade bereits farbenfroh und verheißungsvoll Filmprojektionen zu sehen sind - arbeiten 13.600 Menschen im Kreativbereich. So viel sind es aktuell auch in der Schwerindustrie."

Rheinische Post, Lothar Schröder / 27.08.2010
Weitere Informationen in der ecce Broschüre Kreativwirtschaft (PDF, 2 MB)


"Romantischer geht's nicht. Mitten in die Ruine des westfälischen Adelssitzes Haus Weitmar haben die Architekten Pfeiffer, Eilermann und Preckel aus Münster einen Kubus als kleinsten Museumsneubau der Kulturhauptstadt Ruhr gesetzt. Das wässrige Hellgrün der gläsernen Fassade erinnert an den Chipperfield-Neubau des Museums Folkwang in Essen. Im Schlosspark von Haus Weitmar im gleichnamigen Bochumer Stadtteil kontrastiert der viergeschossige Kubus reizvoll mit der Ruhrsandstein-Ruine des 1943 zerstörten Herrenhauses aus der Spätrenaissance. (…) Zusammen mit Alexander von Berswordt-Wallrabes renommierter Galerie m und den ruppig wie Bunkern anmutenden weißen Klinker-Pavillons der "Situation Kunst" bildet der Kubus ein Kunstzentrum in idyllischer Umgebung, das Kunstfreunde von weither nach Bochum locken dürfte. Die 1989 errichteten und 2006 ergänzten Pavillons wurden für Installationen der Amerikaner Richard Serra, Maria Nordman und David Rabinowitch, für Werkgruppen der Europäer Gotthard Graubner, Norbert Kricke, Arnulf Rainer und Jan Schoonhoven und eine exquisite Sammlung asiatischer und afrikanischer Kunst errichtet. Alexander von Berswordt-Wallrabe hat sie dem Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum vermacht. Auch eine hervorragende Sammlung an Landschaftskunst, die er zusammen mit seiner Frau Silke von Berswordt-Wallrabe über Jahre hinweg zusammengetragen hat, würde der Bochumer Galerist der Uni gern vermachen, wenn sich dafür bis 2014 ein unterirdischer Erweiterungsbau unter der Hauptachse des Parks finanzieren ließe. Zu sehen ist die Sammlung, von der bisher noch kein einziges Stück öffentlich ausgestellt war, dichtgedrängt in zwei Folgen auf zwei Etagen des neuen Kubus. Unter dem Titel "Weltsichten" zeigt die erste Folge bis zum 29. August Malerei, die zweite vom 4. September bis zum 21. November Fotografie, Objekte und Videos."

Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich / 25.08.2010
Weitere Informationen zu Situation Kunst


"Das Landesamt für Statistik hat die Übernachtungszahlen des ersten Halbjahres 2010 vorgelegt. Diese belegen schwarz auf weiß den Erfolg der Kulturhauptstadt für die Stadt Essen. Allein im Juni ist die Zahl der ausländischen Übernachtungsgäste um knapp 99 Prozent gestiegen. Insgesamt konnte das Landesamt für die Stadt Essen 623.288 Übernachtungsgäste für den Zeitraum Januar bis Juni 2010 verzeichnen. Das sind 19 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Ankünfte stieg sogar um 24,8 Prozent auf insgesamt 312.792. Damit ist Essen führend im Vergleich zu den übrigen Portalstädten der Kulturhauptstadt Bochum (9,6 %), Dortmund (11,7%), Duisburg (10,2%) und Oberhausen (15,4%)."

WAZ / 25.08.2010

"Die Metropole Ruhr mit der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ist eine lebendige und vielfältige Region im Werden. Sie darf sich auch getrost als eine der dynamischsten Metropolen Europas bezeichnen. Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund sind die Portalstädte der Region. Aber auch die anderen Städte versprechen Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und den einen oder anderen Geheimtipp von Alpen bis Xanten von Bergkamen bis Witten."

Aachener Nachrichten / 21.08.2010

"Beim "Still-Leben" auf der A40 hatte die Emschergenossenschaft ein Gästebuch ausgelegt, in dem die Besucher ihre Meinung zum Emscher Umbau und insbesondere zum Projekt "Emscherkunst" formulieren konnten. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, zitierte im THS-Verwaltungsgebäude einige Einträge als Beleg für die durchweg positive Resonanz, national wie international, auf das Emscherkunst-Projekt. Die Macher - neben Stemplewski Projektleiterin Simone Timmerhaus, Kurator Florian Matzner, Karl-Heinz Petzinka als THS-Geschäftsführer und künstlerischer Direktor von RUHR.2010 - hatten zu einer öffentlichen Zwischenbilanz in den Nordsternpark geladen. Bewirkt die Erschließung der Emscher-Insel durch Kunst, wie ein Gästebuchschreiber meinte, ein neues Heimatgefühl? Für Gelsenkirchens Kulturdezernenten Manfred Beck stand fest, dass ein solches Empfinden tatsächlich geweckt oder gestärkt werden kann. (...) "Vor zehn Jahren war es noch üblich, alles in der Stadt schlecht zu reden. Heute ist der Gelsenkirchener wieder stolz auf seine Stadt; durch die Kultur - das Musiktheater zum Beispiel oder den Nordsternpark - ist sie wieder zur Heimat geworden.""

WAZ, Wolfgang Platzeck / 21.08.2010
Weitere Informationen zu EMSCHERKUNST.2010 und Still-Leben Ruhrschnellweg


"Verregnet endete am gestrigen Sonntag die 575. Cranger Kirmes in Herne. Ins Wasser gefallen ist das Volksfest trotzdem nicht: 3,8 Millionen Menschen genossen den zehntägigen Rummel, der in diesem Jahr einer der Höhepunkte der Local Hero-Woche im Kulturhauptstadt-Jahr RUHR.2010 war. Stadt und Schausteller sind mit dem Verlauf der Kirmes sehr zufrieden."

Dieruhr.de/idr / 17.08.2010

"Für Christian Schnaubelt ist das Riesen-Zeltlager ein Höhepunkt in seinem Pfadfinderleben, 24 Jahre ist der Bochumer nun dabei. Er findet, dass die Pfadfinderkultur gut ins Ruhrgebiet zwischen Kumpel und Kohle passe. "Hier gibt es eine Offenheit auf die Menschen zuzugehen. Auch wir leben hier eng zusammen, da ist Rücksicht angesagt" erklärt er. Und dann sei da noch der Multi-Effekt. In den sechs Dörfern am Stoppenberg leben Pfadfinder aus Algerien, Weißrussland, Bolivien, Palästina, Südafrika oder Jordanien. "Auch, wenn es sprachliche Barrieren gibt, wir können uns immer gut verständigen.""

Westfälischer Anzeiger, Andreas Sträter / 16.8.2010 

"Wer auch nur eine der Veranstaltungen verpasst hat, der hat wirklich etwas verpasst!", sagt Wilfried Papenbrock von der Jugendförderung der Stadt Herne. In Gänze hat er die "Wave to Community"-Produktionen von Hernes Partnerstädten Konin (Polen) und Wakefield (England) am Freitag und sowie die Aufführung des Herner Jugend-Tanztheaters "Pottporus" am Samstag zum ersten Mal gesehen – und ist begeistert und überwältigt."

WAZ Herne, Jennifer Kalischewski / 16.8.2010 

"Ritter preschen im Galopp über Leinwände, Pferde trappeln, Pfiffe gellen und der metallische Klang sich kreuzender Waffen hallt durch den abgedunkelten Raum, in dessen Lehmboden sich Hufeisen und Radspuren abdrücken: "Es ist genug!", stöhnt eine Stimme, als seien es ihre letzten Worte. Wer die Ausstellung "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne betritt, soll den Überfall erst einmal nacherleben. (...) Die von Stefan Leenen kuratierte Schau versteht den historischen Kriminalfall als Wendepunkt und legt ausführlich dar, wie er die Gegend, deren geographische Lage etwa dem heutigen Ruhrgebiet entspricht, verändert hat. (…) Für den Parcours, auf den die Dunkelkammer mit dem nachgestellten Überfall den Besucher entlässt, wurden keine Mühen und Recherchen, Leihgaben und Transportkosten gescheut. Er stellt die Folgen des 7. November 1225 mit etwa tausend Exponaten dar: Selbst ein 163 Kilogramm schwerer Brocken, der eine Bude, eine Steinschleuder, munitioniert hat, wurde herbeigekarrt, und eine Pyramide aus 476 Kilogramm Silber wiegt das Kopfgeld für Friedrich von Isenberg auf."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Rossmann / 13.08.2010
Weitere Informationen zu Aufruhr 1225!


"Die Stahlhütten und Werkshallen kenne ich - von der anderen, hässlichen Seite. Nun liegen sie rostrot und sonntagsfriedlich hinter verwilderten Wiesen. Angler, Paddler, Hochseeschiffe, die Ruhr zeigt noch einmal alles. Vielleicht ist dieser Fluss der Bindestrich von Nordrhein-Westfalen. Er vereint Orte, Menschen, Erlebnisse, die, vom Lande aus betrachtet, nicht zusammengehören. (…) Ein Stück weiter, zwischen den Hafenbecken, endet auch die fleißige, zahme, wilde, schwarze, grüne, sagenhafte, kochende Ruhr. Sie verliert sich sang- und klanglos im berühmten Vater Rhein. Aber was soll's, der kocht auch nur mit Wasser."

Die Zeit, Michael Allmaier / 12.08.2010

"Der Tourismus in Nordrhein-Westfalen zieht an, und wesentlich dazu beigetragen haben die Kultur und der Kulturtourismus. Das betonte gestern in Bochum die neue NRW-Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Ute Schäfer (SPD). Die Tourismusbranche habe, so Schäfer auf einer Pressekonferenz der Ruhrtriennale, habe für Mai 2010 einen erneuten Anstieg der Besucherzahlen im Ruhrgebiet gemeldet. Rund 12,4 Prozent mehr Menschen als 2009 hätten das Ruhrgebiet im Mai besucht. Die Zahl der Übernachtungen sei um 9,6 Prozent auf 597.227 gestiegen. Durch die am 20. August beginnende Ruhrtriennale erwartet die Ministerin weitere Zuwächse. Auch die Kulturhauptastadt bestätige diesen Trend. Im ersten Halbjahr 2010 hätten rund 4,8 Millionen Menschen die Veranstaltungen der Kulturhauptstadt besucht. Davon seien 15 Prozent aus dem Ausland, vorzugsweise aus den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien gekommen. Das bedeute einen Anstieg von etwa 18 Prozent im Vorjahresvergleich."

Neue Rhein Zeitung / 11.08.2010

"Zur Auftaktveranstaltung der Local Heroes-Woche in Herne gab es am Sonntag im Bayernfestzelt [...] stimmstarken Gospel statt Partyschlager und Gegröle: Das Gospelprojekt Ruhr, das Herner christliche Chorprojekt für das ganze Ruhrgebiet, begeisterte mit 200 Beteiligten die Besucher im Bayernzelt. 1500 Gäste schauten sich das Konzert an. Gospelprojekt-Leiterin Christa Merle lud sie alle dazu ein, mitzusingen. "Alle Local Heroes, ein ganzes großes Zelt, sollen heute zum Gospelchor werden", stimmt sie ein auf das Gospelmedley aus bekannten Gospel-Hits wie "Amen", "Down By The Riverside" oder "Nobody Knows The Trouble I've Seen". [...]. Der gelungene Auftakt der Local Heroes-Woche endet mit einem Lied, das bei einer Veranstaltung in Wanne-Eickel nicht fehlen darf: Drei Tänzerinnen der neuen Ballettabteilung des Gospelprojekts tanzen zu "Mond von Wanne-Eickel" und lassen dabei Elemente des orientalischen Bauchtanzes, des spanischen Flamencos, des russischen Kasatschoks sowie des amerikanischen Cheerleadings einfließen."

WAZ, Jennifer Kalischewski / 09.08.2010

"An der Essener Zeche Zollverein haben rund 6000 Pfadfinder aus ganz Europa bis zum 22. August das Zeltlager "ruhrjamb.2010" aufgeschlagen. Das Projekt ist Teil des Kulturhauptstadtprogramms 2010 und vereint Pfadfinder aus neun verschiedenen Ländern - darunter die beiden anderen Kulturhauptstädte Istanbul und Pecs. Neben Lagerfeuer und Sportaktivitäten warten auch Ausflüge ins Ruhrgebiet."

BILD / 07.08.2010
Weitere Informationen zum ruhrjamb.2010


"Man will es kaum glauben: Wir fahren durchs Ruhrgebiet und sehen die Bergwerke vor Bäumen nicht. Überall grünt es, verhüllt dichtes Blattwerk die eisernen Relikte aus einer anderen Epoche. Ein paar Fördertürme schauen heraus, und hin und wieder streckt sich am Ufer ein Kunstwerk aus dem Gestrüpp, um zu signalisieren, was die alte Industriemetropole heute ist: eine Region im Wandel und - seit Januar diesen Jahres - Europäische Kulturhauptstadt. Eine, die sich aus 53 Kommunen zusammensetzt und so bunt und vielfältig ist wie keine andere."

thueringer-allgemeine.de / 07.08.2010

"Die Kulturhauptstadt trägt Früchte: Kinder und Jugendliche aus Gelsenkirchen und der ungarischen Partnerstadt Pécs haben sich beim Kunst-Jugendcamp "virtualheart" nicht nur gegenseitig kennen gelernt, sondern entdecken auch die Lebenswelt in einer jeweils fremden Stadt. Am Sonntag war "Halbzeit" bei dem 2010-Twins-Projekt. Die künstlerischen Ergebnisse des ersten Teils, der von der Arbeiterwohlfahrt organisiert wurde, präsentierte die Gruppe vor ihrer Reise nach Pécs im stadt.bau.raum an der Boniverstraße. 20 junge Ungarn und ebenso viele Kinder und Jugendlichen aus Gelsenkirchen haben in 10 Tagen ein beachtliches Programm aus Musik, Tanz und Kunst auf die Beine gestellt. Im Mittelpunkt steht bei "virtualheart" die Erforschung der eigenen und der fremden Lebenswelt. Nicht umsonst lautet das Motto des Projekts "Unser Herz schlägt hier!""

WAZ, Patrick Schleu / 03.08.2010

"Die "Promethiade" im Weltkulturerbe Zollverein, eines der spannendsten Festivals der Kulturhauptstadt Ruhr, geht diesem Mythos in einer dreiteiligen Koproduktion mit Istanbul und Athen auf den Grund. "Prometheus in Athen" mit dem renommierten deutschen Theaterkollektiv Rimini Protokoll war in einer Videofassung als "Lecture Performance" der nur zwei Wochen zurückliegenden Premiere im Herodion-Theater am Fuße der Akropolis mit 3500 Zuschauern vor imposanter steinerner Kulisse angekündigt. Es wurde weit mehr, nämlich ein theatralisch zündender Extrakt. (…) Eine kaum abreißende Fülle gesellschaftlicher, geistiger und religiöser Gewissensfragen, zu denen die 103 Athener in bewegter Choreografie das Halbrund wechseln oder verharren, spiegelt in verschlungener Manier die Handlung der Tragödie. So schließt Rimini Protokoll den Mythos erhellend mit der Gegenwart kurz."

Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich / 02.08.2010
Weitere Informationen zur Promethiade


"Germany's "Ruhrgebiet" (Ruhr Area, named after the river running through it) is one of many cities and regions around the world using culture to reinvent itself. In its role as 2010 European Capital of Culture (the first time the award has been given to a whole region), and with the slogan "Change through culture - culture through change", the Ruhr Area is for the very first time presenting 20 art museums in 15 cities in a joint exhibition project called Mapping the Region. Collectively, the museums hold one of the largest modern art collections in the world. The architectures of the museums is every bit as diverse as their collections, with exhibitions taking place in palaces, former industrial plants and some significant new buildings."

artmag, Ian Sclater / 01.08.2010
Weitere Informationen zu RuhrKunstMuseen


"Die Wiesen des MüGa-Parks und der Ringlokschuppen sind ein beliebter Ort bei Jugendlichen, aber so viele wie am Samstag beim internationalen Jugendkulturfestival RUHR.2010 hat man dort wohl noch nicht gesehen. Da probt hier noch ein Chor, da platziert an anderer Stelle eine Gruppe Skulpturen rund um den großen Brunnen und vor dem Eingang vertreibt sich eine wartende Gruppe die Zeit mit Fußball spielen. Die Verständigung funktioniert auf Englisch - oder auch mal mit Händen und Füßen. Drinnen herrscht kurz darauf große Eile: Es ist fast zwei Uhr, bald beginnen die Vorführungen beim "Varieté de la Vie". (…) Der geplante Empfang mit der Oberbürgermeisterin ist abgesagt worden, ebenso wie bunte Festivitäten rund um die Veranstaltung im MüGa-Park. Grund: Die Trauerfeier für die Opfer der Loveparade in Duisburg. "Ganz ähnlich" wie beim Jugendkulturfestival sei die Motivation für viele Loveparade-Besucher gewesen: "Jugendliche verschiedener Nationalitäten wollten zusammen feiern und Spaß haben." So formulierte es Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010, in seiner Eröffnungsansprache. (…) Dass die Jugendlichen hart gearbeitet hatten, war auf den ersten Blick sichtbar: Schon die erste Gruppierung, "Elements" aus Essen, begeisterte mit einer stimmungsvollen Varieté-Show. (…) Die nächste Gruppe kam aus Oberhausen und präsentierte einen faszinierenden Ausschnitt aus den "Multi 2010"-Projekten, an denen 400 Jugendliche aus 14 Partnerstädten teilgenommen hatten. (…) Darüber hinaus wurde viel gesungen und gezeigt - wirklich: die Vielfalt des Lebens."

DerWesten.de / 01.08.2010
Weitere Informationen zu Varieté de la vie

"Keine Frage: Bis jetzt hatten wir mit der Kulturhauptstadt viel Spaß. Und zwar immer dann, wenn wir diese trostlos bleiernen Programmbücher beiseite legten und einfach mitgemacht haben. Also ins Regal mit dem Ding und weitergefeiert. Das Kamasutra immer nur zu lesen ist ja auch langweilig."

Prinz, Andreas Meyer / 01.08.2010
   
  

/ nach oben

Medien-Rauschen Juli 2010 (in Auswahl):


"Nur eine Woche, nachdem Bilder von fröhlich feiernden Menschen beim Still-Leben auf der A40 um die Welt gingen, kommt es bei der Loveparade zur Katastrophe. [...] Ruhr-2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen sagt, er fühle sich im moralischen Sinne mitverantwortlich, für das, was in Duisburg geschehen ist. Die Loveparade war keine Veranstaltung der Ruhr 2010, aber sie war Bestandteil des Kulturhauptstadtprogramms. Mehr noch: Sie sollte einer der "Leuchttürme" sein. Nun liegt ein Schatten über der Kulturhauptstadt. Das Programm geht weiter. Es kann weiter gehen, weil keine Massenveranstaltung mehr auf dem Programm steht. Auch wenn das Publikum einer Loveparade ein anderes ist: Manch einer, der beim Still-Leben an der Anschlussstelle Huttrop im Menschenstau gestanden hat, mag sich mit einem mulmigen Gefühl daran zurückerinnern."

WAZ, Marcus Schymiczek / 27.07.2010

"Nach den Ereignissen vom Samstag ist in Duisburg nichts mehr wie zuvor. Am Sonntag wurde zwar wie geplant neben der Merkez-Moschee in Marxloh der neue Rosenpavillon eröffnet. Doch das geplante umfangreiche Musikprogramm wurde natürlich abgesagt. Es soll nachgeholt werden, wenn im Oktober die Rosen kommen. [...] Im strömenden Regen rezitierte der Imam Birol Hoca ein islamisches Trauergebet. Der evangelische Pfarrer Austen P. Brandt von der benachbarten Gemeinde Walsum-Aldenrade sprach Worte des Gedenkens und sorgte für eine Schweigeminute. Hernach konnte gemeinsam gegessen, getrunken und getrauert werden."

Rheinische Post, Ingo Hoddick / 27.07.2010

"Man kann nur erahnen, was sich am Samstagnachmittag im Tunnel und um den Tunnel am Duisburger Loveparade-Gelände abgespielt hat. Aber klar ist, dass sich am Tag der eigentlich friedlichen, ausgelassenen Feiern furchtbare Szenen ereigneten. Es sind diese Ereignisse, die einem für Sekunden den Atem stocken lassen, die Emotionen hervorrufen - auch bei Menschen, die nicht direkt betroffen sind. Es sind diese Ereignisse, die ratlos machen. Und es sind diese Ereignisse, die schnelle Antworten nicht zulassen. Insofern sind die Mahnungen vor Vorverurteilungen grundsätzlich richtig. Dennoch müssen die zentralen Fragen so schnell wie möglich und rücksichtslos offen beantwortet werden. (…) Es geht um Konsequenzen mit Blick auf die Vergangenheit, es geht aber auch um die Lehren für die Zukunft. Denn ansonsten dürfte es Massenveranstaltungen dieser Art mit mehreren hunderttausend Menschen nicht mehr geben."

Kölnische Rundschau, Andreas Tyrock / 26.07.2010

"Das Unglück vom Samstag wird das Ende der Loveparade sein, aber auch das Ende der Gewissheit in diesem Land, dass so etwas hier nicht passieren kann."

Süddeutsche Zeitung, Bernd Dörries, Jochen Arntz, Alexander Gorkow / 26.07.2010

"Deutschland ist geschockt von der Tunnel-Tragödie und stellt sich eine Frage: Wie konnte es dazu kommen? Doch es gibt keine schnelle Antwort."

Die Welt, Willi Keinhorst, Lars Kreye, Frank Seidlitz / 26.07.2010

"Ursachen und Hintergründe der Duisburger Tragödie müssen rasch und gründlich ausgeforscht, die politische und strafrechtliche Verantwortung schonungslos geklärt werden. Nötig scheint es auch, Nutzen und Risiken von Massenveranstaltungen, die immer häufiger und beliebter werden, künftig stärker gegeneinander abzuwägen und die Taktik der Einsatzkräfte auf den Prüfstand zu stellen."

Nürnberger Nachrichten, Joachim Hauck / 26.07.2010

"Anlässlich des Kulturhauptstadt-Jahres wird das traditionelle Augsburger Hohe Friedensfest in diesem Jahr in Essen gefeiert. Am 8. August um 15 Uhr ist zunächst ein interreligiöses Friedensgebet mit Essener Vertretern der Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und Bahai geplant. Anschließend stehen Konzerte mit der Sängerin Schirin Partowi, Flamenco-Gitarrist Raf ael Cortes sowie dem internationalen Bandprojekt Common Language, Common Sense" aus Augsburg auf dem Programm. Das Hohe Friedensfest wird in Augsburg ohne Unterbrechung seit 360 Jahren gefeiert. Es erinnert an die Beilegung der konfessionellen Konflikte durch den Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555 und ist in der "Friedensstadt" gesetzlicher Feiertag."

Süddeutsche Zeitung / 23.07.2010
Weitere Informationen zu National Heroes

"Kaum ist "Theater der Welt" abgespielt, da rollt das nächste Festival in die Europäische Kulturhauptstadt Ruhr. Nach Athen und Istanbul ist Essen von morgen an bis zum 7. August die dritte Station der "Promethiade", die auf der Zeche Zollverein den Mythos des Prometheus auf seine Aktualität befragt. Die türkische Künstlerin Sahika Tekand entwickelt mit ihrem Ensemble Studio Oyunculari ihr Stück "Vergessen in zehn Schritten (Anti-Prometheus)", das Kollektiv Rimini Protokoll hat für sein Projekt "Prometheus in Athen", das schon am Fuß der Akropolis aufgeführt wurde, hundert Bürger der griechischen Hauptstadt auf den Mythos angesprochen, und der Regisseur Theodoros Terzopouluis inszeniert die Aischylos-Tragödie "Der gefesselte Prometheus" mit griechischen, türkischen und deutschen Schauspielern in einem Bühnenbild von Jannis Kounellis. Auf Zollverein ist das Feuer seit 1993 erloschen, als auch die Kokerei stillgelegt wurde."

Frankfurter Allgemeine Zeitung / 22.07.2010
Weitere Informationen zur Promethiade


"Atemloses Ruhrgebiet - das nächste Volksfest kommt: Das Leben im Ruhrgebiet pulsiert, der Pott kocht. Nach dem spektakulären Volksfest "Still-Leben Ruhrschnellweg" steht an diesem Wochenende bereits das nächste Großprojekt an: die Loveparade. Am Samstag beginnt auf einem jahrelang brachliegenden Güterbahnhof in Duisburg die "Liebesparade". Dazu wird die neben dem Gelände verlaufende Autobahn A 59 gesperrt. Zu dem Ravertreffen werden bis zu eine Million Menschen erwartet. Die Vorfreude der Organisatoren auf Raves und Beats ist nach der gelungenen Generalprobe "Still-Leben Ruhrschnellweg" groß. "Wir haben uns jetzt richtig warm gelaufen. Es ist schön, ein Ruhri zu sein", sagte RUHR.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt. Passend zu so viel Sympathie fürs Ruhrgebiet lautet der Slogan der diesjährigen Loveparade: "One world, one key, one love.""

Welt Kompakt / 21.07.2010
Weitere Informationen zu Loveparade


"Das Projekt "Prometheus in Athen" von Rimini Protokoll, das im Rahmen des Hellenic Festivals realisiert wurde, anschließend zum Kulturhauptstadt-2010-Festival Istanbul wanderte und nun auf der Zeche Zollverein in Essen als so genannte Performance Lecture zu erleben ist, stellt ganz unverhohlen die Frage nach dem Sinn des Prometheus-Mythos. Was wissen die Athener davon? Was bedeutet er für sie? Gibt es überhaupt eine Verklammerung zwischen antikem Mythos und heutiger Realität? Und wenn ja, welche? (…)  Die Aufführung mutiert zum Fragespiel. Quer über die Bühne ist ein Strich gezogen, er trennt den Ja- vom Nein-Bereich. Und nun prasseln die Fragen auf die Darsteller hinab. Fragen nach göttlicher Existenz, Fragen nach dem Sinn von Gerechtigkeit, Fragen nach der moralischen Konstitution des Einzelnen wie des Staates, Fragen wie: Würden Sie, um ihre Familie zu retten, einen Mord begehen? (…) Sechs schwarz gewandete Schauspieler (drei agieren in türkischer, drei in deutscher Sprache) irren auf der Suche nach dem Sinn des Da-Seins über ein mit Scheinwerfern bestücktes, schachbrettartiges, 32 Quadratmeter großes Spielfeld. Leicht fällt ihnen das nicht, ihre Sprache ist verstümmelt. Molto staccato und irrsinnig schnell poltern Satzbrocken aus ihren Mündern. Fallen wie abgehackt zu Boden. Erst nach und nach wachsen die Gedankensplitter zu einem Denkmodell zusammen, erhalten die Sätze Sinnhaftigkeit. Und wird klar, dass dieser Anti-Prometheus, der in vielen Momenten seine Ähnlichkeit mit Sisyphos bekundet (nur dass man sich ihn nicht als glücklichen Menschen vorstellen muss), in der rasend beschleunigten Jetzt-Zeit keinen Haltepunkt findet, keine Möglichkeit, seine eigene Identität noch wahrzunehmen. Dass jeder Widerstand gut wäre. Wenn man nur wüsste, gegen was und wen."

Frankfurter Rundschau, Jürgen Otten / 21.07.2010 
Weitere Informationen zu Promethiade


"Anfang August beginnen nach Angaben des Kulturhauptstadtbüros Duisburg der RUHR.2010 auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark die ersten Baumaßnahmen für die Skulptur "Tiger & Turtle - Magic Mountain", im Volksmund nur Achterbahn genannt. Mit der begehbaren Großskulptur von Heike Mutter und Ulrich Genth entsteht im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 eine aufsehenerregende Landmarke und zugleich eine Meisterleistung der Ingenieursbaukunst."

Rheinische Post / 21.07.2010
Weitere Informationen zu Landmarke Angerpark


"Der chinesische Pianist Lang Lang, Pop-Geiger David Garrett und der Dirigent Paavo Järvi erhalten in diesem Jahr den renommierten Musikpreis Echo Klassik der Deutschen Phono-Akademie. Die amerikanische Mezzosopranistin Joyce Di Donato ist Sängerin des Jahres, der Münchner Tenor Jonas Kaufmann Sänger des Jahres. Insgesamt werden 61 Preise in 21 Kategorien verliehen mit 570 Nominierungen gab es einen Rekord. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober in der Essener Philharmonie bei einer TV-Gala statt, wie die Akademie mitteilte. Die Veranstaltung moderiert Thomas Gottschalk. Die diesjährige Gala ist Teil des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010."

Basler Zeitung / 21.07.2010

"Heute wirkt der 4435 Quadratkilometer große Ballungsraum zwischen Hamm und Xanten, Haltern und Hagen über weite Strecken wie ein endloser Vorort längst mit sauberer Luft, längst viel grüner, als man es sich im Rest der Bundesrepublik gemeinhin vorstellt -, städtebaulich aber eben allein durch ein Gitternetz aus Schnellstraßen strukturiert. (…) 140 Religionsgemeinschaften aus über 100 Nationen leben in diesem globalen Dorf beieinander. Da sieht jeder zu, dass er sich ein privates Eckchen schafft. Mein Kirchturm, meine Laubenkolonie-Parzelle, mein Gartenzwerg. (…) Unter diesen Bedingungen ein Kulturhauptstadtjahr zu veranstalten, das den polyzentrischen Pott als zukunftsorientierte, geistig wache, schlagkräftige Einheit zeigt, wie es Essen und Co. bei der Bewerbung in Brüssel versprochen hatten, ist wahrlich nicht leicht. Die meisten der 5.000 Veranstaltungen, die das 216 Seiten starke Programmbuch auflistet, sind deshalb auch gar nicht für Kulturtouristen gedacht, sondern für die Leute vor Ort. Es gibt gezielt gesetzte Programmpunkte, die überregional Aufmerksamkeit erregen sollen, wie den beglückenden Abend Anfang Juni, als 65 000 Laiensänger die Schalke- Arena zum Klingen brachten. Es gibt die Bauvorhaben, die langfristig zur Attraktivität der Region beitragen, wie Chipperfields neues Folkwang-Museum in Essen oder Rem Kohlhaas' zum regionalen Gedächtnisspeicher umgebaute Kohlenwäsche auf der Zeche Zollverein. Wenn sich daneben jede Ruhrmetropolen-Stadt eine Woche lang als "local hero" präsentieren darf, wenn Bewohner eines alternativen Wohnprojekts in einem Bergwerkslehrlingsheim, das zur NS-Zeit als Zwangsarbeiterlager genutzt wurde, historische Führungen anbieten, dann ist das kein Ausdruck von "Projektitis". Nein, hier werden zu Recht kleine Brötchen gebacken, hier geht es um Stadtteilbelebung, um kulturelles streetworking. "RUHR.2010" hat es ermöglicht, dass viele, von lokalen Künstlern seit langem gehegte Visionen endlich Realität werden konnten. Und das in Bochum gestartete "Jeki"-Projekt, das allen Grundschulkindern kostenlosen Instrumentalunterricht spendiert, wurde dank des Jubeljahres auf 522 Schulen im ganzen Land ausgeweitet. Wer in Berlin nach einem Theaterabend auf die Straße tritt, ist gleich mittendrin in der Stadt, braucht nur mitzuschwimmen im Strom der Unternehmungslustigen. Im Ruhrgebiet gibt es zwei Dutzend große Theater und Konzerthäuser, eine größere Bühnendichte als in der Hauptstadt. Doch wer hier am Ende einer Vorstellung die Ausgangstür aufstößt, findet sich umgeben von urbaner Brache, versiegelter, verdichteter Fläche zwar, aber ohne echtes Innenstadtgefühl. Wenn es im Kulturhauptstadtjahr gelingt, die Menschen zu motivieren, dass sie die historisch bedingten Eigenheiten ihrer Heimat nicht mehr ausschließlich als Mangel empfinden und sie die einzelnen Glanzpunkte der Region vor dem inneren Auge zur Metropole zusammendenken, dann hat "RUHR.2010" viel erreicht."

Der Tagesspiegel, Frederik Hanssen / 18.07.2010

"Superman mit Davidstern: In Essen wird die zentral gelegene Alte Synagoge nach zweijährigem Umbau glanzvoll zum Haus jüdischer Kultur umgewidmet. (…) Wer das Haus, das zuletzt als Gedenkstätte diente, heute wieder betritt, reibt sich die Augen. Was für ein Raumerlebnis - hell, tief und einladend! (…) Das bunte Mosaik über dem offenen Toraschrein mit dem hebräischen Schriftzug „Wisse, vor wem Du stehst“ funkelt in der Sonne. Das Haus ist profaniert, doch seine synagogale Struktur wieder emotional erfahrbar. (…) Erst die Europäische Kulturhauptstadt RUHR.2010 nimmt die letzte Hürde. Das Land Nordrhein-Westfalen trägt achtzig Prozent der Kosten von 7,8 Millionen Euro; für den Anteil der klammen Stadt springen vierzehn Stifter und Sponsoren ein. Ein kulturelles Zentrum mit Führungen, Lehrhäusern, Donnerstagsgesprächen, Filmen, Konzerten soll entstehen. Die fünf Dauerausstellungen sind als Begleitprogramme angelegt: (…) Erstes Ausstellungsstück aber bleibt das Haus selbst, das nun nicht länger verwaist oder von unverständigen Stiefeltern adoptiert wird. Seine Größe und seine Geschichte, Pracht und Reichtum lassen erahnen, was der Verlust der jüdischen Kultur für eine Stadt wie Essen bedeutet hat. Wie sich der Bau mit seiner breiten Treppe zu dem neuen Vorplatz öffnet, kann er, wie einmal gedacht, zu einem „Mittelpunkt für einen Teil der Stadt“ werden."

FAZ, Andreas Rossmann / 17.07.2010
Weitere Informationen zur Alten Synagoge Essen

"Festivalerfolg auch ohne Star-Rummel: Theater der Welt zieht positive Bilanz. (…) 18 Tage hinterließen überwiegend junge Künstler aus 25 Ländern zunächst in Mülheim dann in Essen ihre Eindrücke. Offensichtlich nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei künstlerisch Verantwortlichen und Festival-Machern aus zahlreichen anderen Ländern. Denn viele Beteiligte - darunter zum Beispiel Willi Dorner, Hans Peter Litscher oder das Kollektiv "Berlin" - erhielten noch während des Festivals Nachfolge-Einladungen, von Theatern oder Festivals nach Frankreich, Kanada, Singapur oder Tokio. Theater der Welt als Türöffner: Auch das hat funktioniert. Und das offensichtlich nicht nur als Tür für die Künstler. Auch für das Ruhrgebiet."

WAZ, Dirk Aschendorf / 16.07.2010
Weitere Informationen zu Theater der Welt

"Seitdem der Bergbau so gut wie tot ist im Kohlenpott, sammeln wir seine Reliquien: Loren im Vorgarten, Grubenlampen in der Kellerbar, Abbauhämmer an der Kneipenwand. "Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt, du Blume im Revier," dröhnt Herbert Grönemeyers Bochum-Lied vor jedem Heimspiel des VfL aus den Stadionlautsprechern. Tausende singen mit. Gänsehäutig. Der Ruhri war nicht immer so sentimental, wenn es um den Bergbau ging. (…) Warum hängen wir Ruhris immer noch am Schacht? (…)Trotz Zechenhalden und Industriebrachen, die er uns als Altlasten hinterließ? Die Antwort ist einfach: Ohne Kohle kein Kohlenpott, und ohne Kohlenpott kein Ruhri. Mehr als fünf Millionen Menschen leben hier auf engstem Raum zusammen. Urenkel der heimischen Kötter und Knechte. (…) An Ruhr und Emscher versuchen die Politiker, aus der Not eine Tugend zu machen. Industriekultur ist das Zauberwort. Zeche Zollverein in Essen, der Gasometer in Oberhausen, die Jahrhunderthalle in Bochum werden posthum zu "Kathedralen des Industriezeitalters" erklärt und der Kultur geweiht. Dieser Umgang mit den Hinterlassenschaften der Krupps und Thyssens ist der Hauptgrund dafür, dass Essen den Zuschlag als Europäische Kulturhauptstadt 2010 für das Ruhrgebiet bekam. Endlich eine Gelegenheit, dem Rest der Republik zu zeigen, wie grün, urban, gebildet und kulturbeflissen der Ruhrpott geworden ist! Wir brauchen uns, was Universitäten, Theater oder Museen angeht, hinter niemandem mehr zu verstecken."

Stern, Werner Schmitz / 15.07.2010

"Essens frühere Synagoge am Steeler Tor wurde gestern als "Haus jüdischer Kultur" wiedereröffnet. Nach knapp zweijähriger Umbauzeit ist das Gebäude jetzt für die Bevölkerung wieder zugänglich. Der 34 Meter hohe Kuppelbau aus Kalksandstein gilt als größter Synagogenbau in Deutschland. (…) Der Umbau des Baukomplexes, bis 2008 unter dem Namen "Alte Synagoge" geführt, kostete rund 7,4 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für die Ausstellung. Doch die Ausgaben haben sich gelohnt: Entstanden sei eine Stätte jüdischer Kultur von ähnlichem Rang wie das Jüdische Museum in Berlin und das Gemeindezentrum in München, sagte der Geschäftsführer der Kulturhauptstadt RUHR.2010 und langjährige Essener Kulturdezernent, Oliver Scheytt."

Welt Kompakt / 14.07.2010
Weitere Informationen zur Alten Synagoge Essen

"Einen Neustart feiert die jüdische Kultur in Essen: Nach zweijähriger Umbauphase öffnet heute in der Alten Synagoge das "Haus der jüdischen Kultur". Der besterhaltene und größte ehemalige Synagogenbau des frühen 20. Jahrhunderts gehört zu den bedeutendsten jüdischen Kulturdenkmälern Deutschlands. Hier sollen nun in Zukunft die Bürger an einem offenen Ort der Begegnung mit jüdischer Kultur vertraut gemacht werden. (…) Die Geschichte des frei stehenden Essener Synagogengebäudes einem von einer Kuppel überkrönten Bau mit mächtigen Natursteinmauern - lässt sich bis ins Jahr 1913 zurückverfolgen. Damals wurde die von Edmund Körner erbaute "Neue Synagoge" der Essener jüdischen Gemeinde eingeweiht. Wie so viele andere Synagogen wurde sie am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten gebrandschatzt, blieb während des gesamten Krieges jedoch äußerlich unversehrt und war nach 1945 lange Zeit eine mahnende Ruine in Essens Innenstadt. (…) Erst vor 30 Jahren wurde die "Alte Synagoge" zum Kulturzentrum und zur Gedenkstätte umgewidmet. Insgesamt fünf Ausstellungsbereiche laden nun im Erdgeschoss, auf der Empore und auf dem darüber liegenden Mezzanin ein, den Reichtum jüdischer Kultur kennenzulernen."

Kölner Stadt-Anzeiger, Emmanuel van Stein / 13.07.2010
Weitere Informationen zur Alten Synagoge Essen

"Vom Metropolen-Gründungs-Pathos der RUHR.2010 hebt sich das im Ruhrgebiet stattfindende Festival "Theater der Welt" bewusst ab: In seltener Konsequenz setzen die Theatermacher auf so internationale wie sperrige Produktionen. Zum Glück für die Zuschauer."

die tageszeitung, Regine Müller / 12.07.2010
Weitere Informationen zu Theater der Welt

"A culture cure in Ruhr: German region turns from coal to tourism."

SUN / 11.07.2010

"Germany's Ruhr turns from coal to creativity: All over the region, around 1,000 former industrial structures have been turned into cultural venues, among them Dortmunder U, a former brewery that has become a gallery, and Zeche Nordstern, a former coal mine that was turned into office space and a museum for model railroads. There are more than 100 theaters and dozens of concerts and musical festivals taking place every year in the Ruhr region, one of Europe's most densely populated areas, making it also one of the culturally most happening places. As testament to the success of the program, the entire Ruhr region, with its 5.3 million inhabitants and 53 cities, was chosen by the European Union this year as a European Capital of Culture 2010 - the first time the distinction went to an area rather than a single city. More than just creative installations, many RUHR.2010 cultural ventures combine cutting-edge art with longterm reconstruction efforts that seek to revitalize an area that has been on the decline since the 1970s."

dailynews.com (11.07.2010), freep.com (11.07.2010), thechronicleherald.ca (03.07.2010), The Jakarta Post (01.07.2010), Kirsten Grieshaber

"Glühende Landschaften: Das gesamte deutsche Ruhrgebiet trägt in diesem Jahr den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt. Die einstigen Industriestandorte fördern nun Musik, Theater und Kunst statt Kohle."

Wiener Zeitung, Mauela Ziegler / 10.07.2010

"Auch die Städte in Nordrhein-Westfalen entwickeln sich dieses Jahr gut. Dass ist auch auf die Europäische Kulturhauptstadt Essen zurückzuführen. Die zahlreichen kulturellen Aktionen, von Ausstellungen über Konzerte bis zu neuen Aktivangeboten, ziehen Besucher ins Ruhrgebiet und dessen Umgebung. Das Tourismusmarketing des größten Bundeslandes verspricht sich von dem Titel einen dauerhaften Effekt auf die Touristenzahlen. Denn viele dafür ins Leben gerufene Angebote werden über 2010 fortbestehen."

Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung / 10.07.2010

"Stolz und selbstbewusst: Noch liegt ein halbes Jahr Kulturhauptstadt vor uns, doch schon jetzt lässt sich sagen: Diese Monate voll praller Kunst und Kultur haben nicht nur den Blick der Welt auf diese Region verändert, sondern sie nimmt sich selbst anders wahr: So viele Touristen, so viele positive Berichte, so viel Theater, Ausstellung, Vortrag, Konzert und Tanz. Essen und das Ruhrgebiet sind nicht mehr die "ewige graue Maus", sondern haben ein unvergleichliches Profil gewonnen, das dauerhaft einen hohen wirtschaftlichen Wert entfalten wird. Dass hier viel los ist, dass die Region einer der spannendsten in Deutschland ist, wussten viele Einheimische schon lange. Und doch macht es stolz und stärkt das Selbstbewusstsein aller "Ruhries", dass so viele Auswärtige staunend durch Essen fahren. Wer hätte vorher gedacht, dass sich hier mehrmals täglich Touristen drängen, um eine Stadtrundfahrt zu machen. Dass die Kulturhauptstadt zum vollen Erfolg wurde, liegt auch daran, wie dieser Titel gelebt wird. Zehntausende Freiwillige machen mit, um Kulturveranstaltungen zu ermöglichen; in Tausenden Kindergärten und Schulen schaffen Kinder und Jugendliche für 2010 Kultur. Selbst schräge Tanzproduktionen wie beim Festival Theater der Welt sind gut besucht. Eine ganze Region ist auf den Beinen."

WAZ, Peter Szymaniak / 10.07.2010

"Die europäische Kulturhauptstadt RUHR.2010 bietet ihren Besuchern nicht nur denkmalgeschützte Förderturm- und Stahlwerks-Romantik, sondern auch renommierte Theater, Opern- und Konzerthäuser. Ebenso verfügt die Region über öffentliche Kunstsammlungen von Rang. Wenn man Einrichtungen mit Heimatstuben- und Kuriositäten-Charakter mitzählt, gibt es im Ballungsraum entlang der Ruhr an die 200 Museen."

Luxemburger Wort, Christian Schnitzler / 08.07.2010

"Heute vor 150 Jahren wurde Gustav Mahler geboren: Mit der "Sinfonie der Tausend" machte er klassische Musik zum Mega-Event. Er erfand den Dirigenten als Pultstar ganz neu. Und mit seiner Musik verband er Tradition und Moderne. Gustav Mahler ist eine der Größen der Musikgeschichte. (…) Seinen einzigen großen Erfolg als Komponist erlebte Mahler mit seiner Achten Symphonie ein Jahr vor seinem Tod. Die "Symphonie der Tausend" soll am 12. September im Duisburger Landschaftspark Nord mit 1350 Sängern und den sechs Symphonieorchestern des Ruhrgebiets unter Leitung von Lorin Maazel für einen Höhepunkt des Kulturhauptstadtjahres sorgen."

Neue Osnabrücker Zeitung, Pedro Obiera / 07.07.2010
Weitere Informationen zu Sinfonie der Tausend

"Tanz ist eine universelle Sprache, die jenseits der Worte in jedem Land der Welt gleichermaßen verstanden wird. 40 junge Talente aus drei Nationen werden es einmal mehr beweisen mit ihrem Tanztheaterstück "Die drei Schleier der Europa". Am 16. Juli ist das Nationenverbindende Stück im Ruhrfestspielhaus zu sehen. Das Riesenprojekt ist ein Jugendaustausch und eine künstlerische Zusammenarbeit auf höchstem Niveau zugleich. Fast sechs Jahre hat es gedauert von der ersten Idee bis zur Realisierung. Am Tanz-Gymnasium in Essen-Werden entstand die Idee eines grenzüberschreitenden Tanzprojektes, für das im Konservatorium in Grenoble (Frankreich) und dem Ballettgymnasium der Recklinghäuser Partnerstadt Bytom in Polen die geeigneten Partner gefunden wurden. (…) Das Stück basiert auf der griechischen Sage von Zeus, der sich in Gestalt eines Stieres der schönen Europa genähert und drei Söhne mit ihr gezeugt hat. In immer neuen Variationen rückt Gallotta das Innenleben seiner Darsteller in den Blickpunkt. Das "TWINS"-Projekt - der Kreativ-Pool der Partnerstädte der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 hat es möglich gemacht, dass die aufwändige Produktion realisiert werden konnte. "

Recklinghäuser Zeitung, Afred Pfeffer / 06.07.2010
Weitere Informationen zu Die drei Schleier der Europa

"The Ruhr Valley, Germany's former steel belt region, has undergone major structural and economic transformation, and one result, a celebration called European Capital of Culture RUHR.2010, has been buzzing with visitors right from the start earlier in the year. Openair events scheduled for the summer months are expected to multiply the spectator numbers. (…) The Ruhr region as European Capital of Culture offers alone 23 music festivals in July and August. Highlights are the Love Parade in Duisburg, formerly held in Berlin, with 1.5 million visitors (July 24) and the 'Bochum Total' city festival with several German and international stars on different stages throughout the city (July 15 -18)."

travelvideo.tv / 06.07.2010
Weitere Informationen zu Loveparade und Bochum Total

"Radikal kooperieren statt lamentieren: In Zeiten höchster Not müssten die Ruhrgebietsstädte jetzt ohne Tabus enger zusammenarbeiten. Was bei der Kulturhauptstadt 2010 schon mal - mehr oder weniger erfolgreich - eingeübt wird, sollte rasch Normalität auf allen Ebenen werden. Verkehrsbetriebe, Stadtwerke, Ämter müssen radikal zusammengelegt werden. Dabei darf es keine Rücksichtnahme auf wegfallende Versorgungspöstchen für ausgemusterte Kommunalpolitiker mehr geben. Die Flächenentwicklung darf an der Stadtgrenze nicht Halt machen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung, die RUHR.2010 GmbH als Organisation der Kulturhauptstadt 2010 auch danach weiterzuführen, ihren Charme. Diese neue Dachbehörde könnte sich verdient machen, wenn im Gegenzug die Kommunen auf einige Dutzend Kulturdezernenten verzichten würden. Aber wetten, dass weiter lamentiert statt konsequent kooperiert wird? Die Not, die gemeinhin erfinderisch machen soll, ist wohl noch nicht groß genug."

WAZ, Wilhelm Klümper / 05.07.2010

"Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 ist ein neues Kulturfestival geboren: die Nacht der Jugendkultur. Viele Städte des Ruhrgebiets beteiligten sich mit verschiedenen Aktionen, ähnlich wie bei der ExtraSchicht."

WAZ / 05.07.2010
Weitere Informationen zu Nacht der Jugendkultur

"Kultur: Die Hoffnung der Industrie-Ruinen - Das Kulturhauptstadt-Jahr im Ruhrgebiet zeigt: Wo die Industrie stirbt, blüht die Kultur auf. Sie soll die wirtschaftliche Zukunft sein. Der erste Eindruck macht stutzig: Ist eine Baustelle am Bahnhof der EU-Kulturhauptstadt nicht peinlich? Immerhin ist bereits das halbe Jahr vorbei. Doch der staubige Empfang am Bahnhof in Essen könnte nicht passender sein. Denn die Veranstaltungen im Rahmen von RUHR.2010 erzählen die Geschichte eines Umbruches, der das Ruhrgebiet erfasst hat. Und ganz Europa betrifft: Gesucht wird eine wirtschaftliche Zukunft an Stelle der globalisierten Großindustrie. In den verwaisten Räumen des einst riesigen Bergbaus sollen die Kreativen eine andere Zukunft erfinden."

Kurier, Georg Leyrer / 04.07.2010

"Auf Rekordkurs: Deutschland könnte England erneut alt aussehen lassen. Diesmal nicht im Fußball, sondern in Sachen Kultur: Bislang nämlich hält Liverpool mit 9,7 Millionen Besuchern einen Rekord in der 25-jährigen Geschichte europäischer Kulturhauptstädte. Zu den Veranstaltungen der Metropole Ruhr strömten aber schon im ersten Halbjahr 4,8 Millionen Menschen. Man wolle nun den Liverpool-Rekord knacken, kündigte RUHR.2010-Chef Fritz Pleitgen vergangene Woche an."

Sonntag Aktuell, Lisa Welzhofer / 04.07.2010

"Schatzhaus der Industriekultur: Das Ruhrgebiet, bis vor wenigen Jahrzehnten das verschmutzte Herzland der Schwerarbeit in Deutschland, wandelt sich zu einer Kreativ- und Kulturmetropole."

oe1.orf.at / 03.07.2010

"Ob diese Mischung aus Volksfest und Kunstmesse ästhetisch überzeugen kann, ist gar nicht so wichtig. Wer könnte dies bei einem Overkill von mehr als 5.000 Veranstaltungen überhaupt beurteilen? Und von zweitrangiger Bedeutung ist ebenfalls, dass sich das hochtrabende Konzept von der "Metropole Ruhr" am Ende als ziemlich blasiert herausstellt, weil jede Kommune die gewohnte Kirchturmpolitik betreibt. Was wirklich zählt, was dem Ruhrgebiet als Kulturlandschaft schon jetzt Schub verliehen hat, das sind die sogenannten Leuchttürme: das Essener Folkwang-Museum, erbaut von David Chipperfield, das Ruhrmuseum, spektakulär untergebracht in der einstigen Kohlenwäsche auf Zeche Zollverein, auch das Dortmunder "U", mit dem die Stadt ihr Wahrzeichen zurückerhält - nur drei der Energiezentren, die im Schwung des Kulturhauptstadtjahres ihren Betrieb aufgenommen haben. Sie werden dem Ruhrgebiet auch in Zukunft neues Selbstbewusstsein verleihen - "nachhaltig", wie es im Jargon der RUHR.2010-Manager heißt. Der Titel der Kulturhauptstadt muss nicht, aber er kann das Gesicht einer Stadt, einer ganzen Region zum Vorteilhaften verändern. (…) Wer von Köln aus ins Ruhrgebiet aufbricht, darf ruhig ein bisschen Neid mit im Gepäck tragen. Welche Impulse wären hier wohl wirksam geworden, hätte es mit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt geklappt? Das Ruhrgebiet zeigt: Ein Titel wie dieser kann gerade in Zeiten klammer Kassen wenn auch nicht Flügel verleihen, so doch ein Antidepressivum sein. Auch wenn die Glückspille nur ein Jahr lang wirkt."

Kölner Stadt-Anzeiger, Frank Olbert / 03.07.2010

"Zu neuen Ufern möchte das Festival auch künstlerisch aufbrechen. Erstmals hat es, das alle drei Jahre vom Internationalen Theater Institut in eine andere Stadt vergeben wird und 2010, die Kulturhauptstadt macht's möglich, in Mülheim und Essen festmacht, eine internationale Programmdirektorin. Die Belgierin Frie Leysen, die lange das "Kunstenfestivaldesartes" in Brüssel geleitet hat, wählte für die Eröffnung die doppelte Hintertür: Einmal, indem sie dafür die Barockoper "Montezuma" von Carl Heinrich Graun, für die Friedrich II. das Libretto schrieb, aussuchte, und zum anderen, indem sie dieses Spiel mit Geschichte, das die Unterwerfung Tenochtitlans durch die spanischen Conquestadores auf einen Tag konzentriert, dem jungen Regisseur Claudio Valdes Kuri anvertraute, um es aus der Sicht eines Mexikaners zu erzählen. (…) Kulinariker kommen nicht auf ihre Kosten, doch birst das junge Ensemble vor Spielfreude, Hingabe und Elan, und so kann die hemdsärmlige Aufführung einen kleinen Sturm des Südens entfachen, der das Publikum auch in einigen der folgenden Produktionen noch anweht. (…) Oper, Film, Stadtansicht. Ein Festival geht fremd. Wenn auch nicht so, wie es das Stadttheater schon seit Jahren mit Filmadaptionen, Romandramatisierungen und Liederabenden bis zum lähmenden Überdruss vormacht. Um den ganzen Erdball, zwischen Marrakesch und Manila, Oslo und Auckland, ist Frie Leysen, so kündet das Programm, fündig geworden. Hoffentlich geht das Theater in den achtzehn Tagen, die es dafür Zeit hat, nicht verloren."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Rossmann / 03.07.2010
Weitere Informationen zu Theater der Welt

"Die "Metropole Ruhr" setzt im laufenden Kulturhauptstadtjahr auf spektakuläre wie hintergründige Interventionen im öffentlichen Raum. (…) Ende Mai zum Beispiel wurde das Projekt "SchachtZeichen" realisiert: (…) Die Aktion wurde ein riesiger Erfolg. Denn wie beim "Berg der Erinnerungen", einer Ausstellung der Kulturhauptstadt Graz im Jahr 2003, fühlten sich die "Ruhrgebietler" - manche sagen auch "Ruhris" - miteinbezogen: (…) Man campierte und erzählte sich Geschichten von damals, als das Ruhrgebiet der Wirtschaftsmotor Deutschlands war. An eine wirkliche "Metropole Ruhr" glauben aber nur die wenigsten: Auch wenn die Entfernungen zwischen den Städten im drittgrößten Ballungsgebiet Europas minimal sind, sind die Rivalitäten groß. Allerorts ist man von der Überlebensstrategie "Wandel durch Kultur", dem Motto des Kulturhauptstadtjahres, überzeugt. Man setzt unter anderem auf die Kreativwirtschaft und wandelt devastierte Gebiete in Landschaftsparks um. Das wohl ehrgeizigste Projekt befasst sich mit der Emscher, die als Kloake missbraucht wurde, um die anderen beiden Flüsse, Lippe und Ruhr, sauber zu halten. Sie soll "renaturiert" werden, sprich: ihren natürlichen Verlauf zurückerhalten. Denn derzeit fließt die Emscher noch in einer Betonrinne - parallel zum künstlich angelegten Rhein-Herne-Kanal. Dazwischen liegt ein 34 Kilometer langer, schmaler, der Donauinsel nicht unähnlicher Streifen: (…) Diese Emscherinsel ist bis 5. September Schauplatz des größten Kunstprojekts: Man fährt sie von Reckling- bis Oberhausen mit dem Rad ab und stößt ab und zu auf Interventionen, die sich in der Regel pointiert mit der Situation auseinandersetzen."

Der Standard, Thomas Trenkler / 02.07.2010
Weitere Informationen zu Emscherkunst.2010 und SchachtZeichen.

"Besucheransturm an der "RUHR.2010""

Neue Zürcher Zeitung / 02.07.2010

"Eine Brücke durch die Zeiten: Mit der ungewöhnlichen Inszenierung einer großen Barockoper ist das Festival "Theater der Welt" in Mülheim an der Ruhr eröffnet worden. Das Festival, das zu den international bedeutendsten Foren der darstellenden Kunst zählt, geht seit 1981 alle zwei bis drei Jahre jedes Mal in einer anderen Stadt unter wechselnder Leitung über die Bühne. In diesem Jahr macht das Festival mit seiner zwölften Ausgabe wegen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 Station in Essen und Mülheim. An 18 Tagen sind an 18 Spielorten 32 Produktionen mit insgesamt 121 Vorstellungen zu erleben. Allein elf Produktionen des Festivals sind Weltpremieren. Von den insgesamt 385 beteiligten internationalen Künstlern sind die meisten hierzulande noch gänzlich unbekannt. Festivalleiterin Frie Leysen hat für ihre Entscheidung, das eigentlich auf zeitgenössisches Theater ausgerichtete Festival ausgerechnet mit einer Oper zu eröffnen, eine plausible Begründung: "Weil die Oper das Gesamtkunst werk par excellence ist!""

Kölnische Rundschau, Constanze Schmidt / 02.07.2010
Weitere Informationen zu Theater der Welt

"Was alles an Kunst in einen kleinen Holz-Container geht, zeigt die Aktion des Duisburger Kunstvereins, (…) die seit gestern auch im Erdgeschoss des Einkaufszentrum Forum an der Königstraße präsentiert wird. (…) Das Ganze ist Teil des Kulturhauptstadt-Projekts "GrenzGebietRuhr". Neben dem Duisburger Kunstverein sind elf weitere Kunstvereine und zwei Künstlerhäuser aus dem "Transitraum" beteiligt. Die einzelnen Container sind höchst unterschiedlich gestaltet. Einige sind verspielt-witzig, andere regen zur Nachdenklichkeit an. Der Duisburger Künstler Chinmayo, der bereits bei der Eröffnung Ende Mai die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in seinem Container zum Thema machte, ist mit seiner Arbeit noch immer erschreckend aktuell. (…) Nach dem Halt im Forum wandert die Ausstellung weiter nach Nimwegen und Arnheim Niederlande), dann nach Antwerpen (Belgien). Ende des Jahres soll die Wanderausstellung in das Atelierhaus des Duisburger Kunstvereins an den Weidenweg 10 zurückkehren."

Rheinische Post / 02.07.2010 
Weitere Informationen zu GrenzGebietRuhr

"While 2010 is a stunning year in Germany with such fascinating events from the RUHR.2010 as the European Capital of Culture, the 300th anniversary of porcelain in Meissen, the 41st Passion Play in Oberammergau and the 200th anniversary of the Oktoberfest, next year promises to be no less exciting. One highlight will be the 125th anniversary of the automobile in Germany, celebrating the first car invented by Carl Benz in 1886."

Travel World News / 01.07.2010

"So schön war Industrie noch nie - was das Ruhrgebiet so sehenswert macht: Manche fliegen nach Malaga, andere nach Mallorca. Und immer mehr Menschen machen gleich Urlaub in Deutschland. Sie entdecken die Nordsee, die Ostsee, den Bodensee. Ans Ruhrgebiet denken sie dabei selten. Und das ist ein Fehler. Ein großer sogar. Denn der Pott - jene Ansammlung von Städten und Autobahnen und Industrie - ist in diesem Jahr der größte Erlebnispark Deutschlands. Als Kulturhauptstadt Europas feiert sich das Ruhrgebiet selbst - mit Ausstellungen, Lichtkunst, Theater und Kunstaktiönchen und Kunstaktionen."

dewezet.de, ndz.de / 01.07.2010

"Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Frida Mindt Rock 'n' Roll in Essen (…): Ab dem 2. Juli werden in der Ausstellung "A Star Is Born" Fotografien von Annie Leibovitz, Richard Avedon, Olaf Heine und vielen weiteren aus den letzten 60 Jahren der internationalen Musikszene gezeigt. Darunter kann man Musiker wie Elvis Presley, Janis Joplin, David Bowie oder die Arctic Monkeys bewundern. Auf Konzerttourneen wurden viele Sänger und Bands mit der Fotokamera begleitet. Die Plattencover zeugen noch heute von den Inszenierungen der Studiofotografen, die die Imagebildung der Star mitprägten. Dieses Phänomen wird mit etwa 250 Ausstellungsobjekten wie Zeitschriften, PR-Material der Plattenfirmen und Autogrammkarten illustriert. Die Schau sei in Europa bislang einmalig, berichtete die Kuratorin und Leiterin der Fotografischen Sammlung Ute Eskildsen und ist im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 entstanden."

art-magazin.de, Frida Mindt / 01.07.2010
Weitere Informationen zu A star is born

"Wir sind wieder wer! Endlich. Im Jahre des Herrn 2010 wird das Ruhrgebiet aus seinem tristen Einerlei von Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Integrationslast und vom politischen Filz erzeugten Überschuldungsdruck der Kommunen erlöst. Sollte man denken, glaubt man den Heilsversprechen, den blumigen Umschreibungen, mit denen RUHR.2010-Intendant Fritz Pleitgen bei jeder Gelegenheit das Engagement und die Resultate des in diesem Jahr größten anzunehmenden Kulturkasus in Deutschland an die staunende Öffentlichkeit trägt. (…) Ganz allgemein gilt: Kunst zur RUHR.2010 erscheint eher wie ein Label, weniger als Veränderungsmotor für diese Zueignung an die dauergebeutelte Region. Unter der Dachmarke werden die Engagierten zusammengefasst, das Geld selbst fließt dann gern in Großprojekte: (…) Was für ein Eindruck also bleibt zur Halbzeit? Ein zwiespältiges Gefühl. Es reißt einen hin und her: Zwischen Intelligenz, Liebenswürdigkeit, Große, Wahn und Kleingeist ist alles drin. Typisch Pott, möchte man ausrufen. Die teils zu sentimentaler Folklore abgedroschenen Mythen bleiben dennoch stärkste Batterie. Dabei waren sie doch dort an Emscher und Ruhr schon immer wer!"

Kunstzeitung, Matthias Weiß / 01.07.2010

"Soundduschen, Audioguides, Videoloops, Rockbüro. Mick Jagger an der Außenwand des ehrwürdigen Hauses. Gerade feierte man den 200 000 Besucher, der die Ausstellung "Das schönste Museum der Welt" mit Werken von Chagall, Kandinsky, Marc und Beckmann besuchte und zum Dank ein Abendessen bekam. Der Neubau des Architekten David Chipperfield, dieses Jahr eingeweiht, hat das ohnehin schon angesehene Museum Folkwang in Essen in die vorderste Linie der internationalen Kulturstätten katapultiert. Und nun das. Verschwitzte, wilde Rocker in unzüchtigen Posen, Crossdresser, Halbnackte und Kiffer, ein blutverschmierter Sid Vicious von den Sex Pistols, Kinderschreck Marilyn Manson in Beißhaltung, Fans, entrückt und mit irrem Blick. Was war passiert? Vor drei Jahren hatte Ute Eskildsen, die Leiterin der fotografischen Sammlung und Vize-Direktorin des Museums, die Idee, dem Genre der Musikfotografie zum RUHR.2010-Jahr eine würdige Bestandsaufnahme zu gönnen. (…) Die wenigstens Exponate, betont die Ko-Kuratorin Christiane Kuhlmann, sind auf dem klassischen Kunstmarkt, also in Galerien oder Sammlungen, verfügbar. Gedacht für eine zeitnahe mediale Verwertung, ob in Magazinen, als Tourplakate oder Autogrammkarten, wurden die Original-Negative und -Dias meist in den Verlagen oder Musikfirmen abgegeben und direkt für den Druck benutzt. Der reguläre Print, vielleicht sogar als limitierte Edition, war äußerst selten. Dieses rare Vintage-Material hängt nun hier, neben Neuprints und Orginial-Plattencovern (etwa der legendären "Sticky Fingers "-Hülle mit Reißverschluss von den Stones) und sogar Kaugummi-Sammelkarten von Elvis oder den Beatles."

Süddeutsche Zeitung, Nadine Barth / 01.07.2010
Weitere Informationen zu A Star Is Born

"Der »Ruhrschnellweg« ist nicht nur die einzige Straße, sondern überhaupt das einzige Realsymbol, das alle Ruhrgebietsstädte verbindet. Die Städte verbindet, die Stadtteile trennt. Der Revier-Boulevard, auf dem niemand flanieren darf. Auf dem man - aus dem Auto vor Schallschutzwände blickend - aus der Stadt verbannt ist. Ihn zu einem zentralen Objekt kulturhauptstädtischer Kunstintervention zu machen, war zwingend. (Weswegen die Stilllegung der A 40 am 18. Juli richtiger und wichtiger ist als Kritiker spotten: Sie bedeutet nämlich die Inbesitznahme der verbotenen Mitte.)"

K.WEST, Ulrich Deuter / Juli/August 2010
Weitere Informationen zu B1IA40 und Still-Leben