Programmatik
Die Gliederungspunkte dieser Rubrik geben die Programmatik der Kulturhauptstadt Europas 2010 "Essen für das Ruhrgebiet" wieder. Unsere Programmatik besteht aus drei Leitthemen: Mythos, Metropole und Europa. Diese durchziehen die sechs Programmfelder Bilder, Theater, Musik, Sprache, Kreativwirtschaft und Feste. So erzählt das Programm die Geschichte vom Wandel. Ausgehend vom Mythos Ruhr nimmt eine neue Metropole Gestalt an, die Europa mit Kunst und Kultur in Bewegung bringt.
Bergmannsgruß an der Zeche Alter Hase, Sprockhövel / Foto: Manfred Vollmer
Mythos Ruhr begreifen
Was macht uns aus? Das ist die zentrale Frage des Kulturhauptstadtprogramms. Die kulturelle Identität und das kulturelle Erbe
dieses Ballungsraums sind vom Mythos Ruhr geprägt, von Kohle und Stahl, von harter Arbeit und Solidarität, natürlich auch vom Fußball und vor allem vom Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Mit dem Programmbereich "Mythos Ruhr begreifen" stellt RUHR.2010 die Metropole Ruhr in einen historischen Zusammenhang, erzählt von ihren Wurzeln und ihrer Suche nach der Zukunft. / MEHR
Landmarke Angerpark, "Tiger & Turtle/Magic Mountain"/ Entwurf: Heike Mutter & Ulrich Genth / Kulturhauptstadtbüro Duisburg RUHR.2010
Metropole gestalten
Wie wollen wir leben? Dies ist eine Frage, die uns alle angeht. RUHR.2010 verfolgt die Vision, dass sich das Ruhrgebiet zu einer Metropole neuen Typs wandelt. So wie Europa aus vielen Staaten zusammenwächst, bilden die 53 Städte mit ihren 5,3 Millionen Einwohnern eine neue Einheit. In Anknüpfung an die Internationale Bauausstellung Emscher Park geht es RUHR.2010 um die Lebensqualität in diesem polyzentrischen Stadtgebilde. RUHR.2010 hat lokale, nationale und internationale Gestalter, Planer, Architekten und Künstler zum Querdenken aufgerufen. Bildende Kunst und Stadtplanung, Landschaftsgestaltung und Architektur gehen neue Verbindungen ein. Die Passagen zwischen den Städten werden zu Vermittlern inspirierender Erlebnisse. Es entstehen neue Kulturorte. Künstlerische Interventionen geben Impulse für den Wandel. / MEHR
UNESCO Welterbe Zollverein, Kokerei Essen / Foto: Manfred Vollmer
Bilder entdecken
Im Fokus des Ausstellungsprogramms von RUHR.2010, das mit internationaler Kunst aufwartet, stehen die historischen, die gegenwärtigen und die neu entstehenden Bilder vom Ruhrgebiet. Ziel ist es, eine neue
Wahrnehmung dieser Metropole im Werden zu schaffen, etwa durch das vernetzte Ausstellungsprojekt "Mapping the Region" der 20 RuhrKunstMuseen oder in den 15 Fotografieausstellungen und -projekten. / MEHR
Doris Salcedo: Shibboleth, Tate Modern Gallery, London / Foto: REUTERS/Luke Mc Gregor
Theater wagen
Gemeinsam mit den Festivals, Theatern, Produktions- und Ausbildungsstätten hat RUHR.2010 Künstler und Kuratoren eingeladen, danach zu fragen, wie Theater und Tanz in einer modernen Stadtgesellschaft die Trennlinien zwischen Milieus, Generationen, Sprachen und Kulturen aufheben können. / MEHR
Jahrhunderthalle Bochum / Foto: W.-D. Gericke
Musik leben
Mit drei weit ausgreifenden Musiknetzwerken aktiviert RUHR.2010 Musiker und Bewohner der Metropole Ruhr. "Jedem Kind ein Instrument" ist die bundesweit größte Initiative kultureller Bildung. !SING bringt das ureigenste Instrument der Menschen, die Stimme, mit all ihren Facetten zum Klingen. Beim "Henze-Projekt" wirkt die gesamte Musiklandschaft mit und schafft neue Zugänge und Verbindungen zum Gesamtwerk des großen zeitgenössischen Komponisten Hans Werner Henze. / MEHR
"Das Eis", eine Produktion der Ruhrtriennale 2005 / Foto: Ursula Kaufmann
Sprache erfahren
Sprache ermöglicht Erfahrung und wird ihrerseits durch Erfahrung geprägt. In der Metropole Ruhr leben Menschen aus über 170 Nationen. Mehr als 100 Sprachen werden gesprochen. Das Programm gibt allen Formen der Literatur und allen Formaten der Präsentation Raum: Romanen, Märchen, Sagen, Krimis, Slams, Poesie und Gedichten. / MEHR
Dortmunder U / Foto: Sonja Werner
Kreativwirtschaft stärken
RUHR.2010 verfolgt eine Strategie kulturpolitischer Innovationen, vor allem im Programmfeld "Kreativwirtschaft stärken". RUHR.2010 stößt die Entwicklung von "Kreativ.Quartieren" und langfristig wirkenden Strukturen in allen Genres der "Kreativen Klasse" an. Mit dem "2010lab" ist die erste sparten- und themenübergreifende Web-TV-Plattform für Künstler und Kreative online. Die Förderstrategien konzentrieren sich auf Menschen, Märkte und Medien. / MEHR
Loveparade 2007, Essen / Foto: Essen Marketing/Peter Wieler
Feste feiern
Die Menschen in der Metropole Ruhr verstehen zu feiern. Feste wie die "ExtraSchicht", "Bochum Total" oder die "Loveparade" bringen Millionen auf die Beine. Gefeiert wird, was verbindet und was die Städte zwischen Ruhr und Lippe mit Leben erfüllt. Das größte Fest feiert die Metropole am 18. Juli 2010, wenn auf der A40/B1 von Dortmund bis Duisburg ein 60 Kilometer langer Tisch die Bewohner der gesamten Metropole zu einer Tafel der Kulturen, Nationalitäten und Generationen zusammenbringt. Dies könnte zum emotionalen Gründungsmoment der Metropole Ruhr werden. / MEHR
Klingelschilder / Foto: mauritius images/imagebroker
Europa bewegen
Wie sieht unsere Zukunft aus? Die Europäische Union ist an der Ruhr tief verwurzelt. Denn mit Kohle und Stahl nahm die Gründung der Montanunion, Vorläufer der EU, ihren Ausgang. Die Erfahrung von 150 Jahren Immigration hat das Ruhrgebiet auf vitale Weise geprägt. Mit TWINS als größtem
Städtepartnerschaftprojekt in der Geschichte Europas und MELEZ als Festival und Labor der kulturellen Vielfalt thematisiert RUHR.2010 die zwei Seiten europäischer Identität: Internationalität und Interkulturalität. Die wissenschaftliche Reflexion und der Blick in kommende Jahrzehnte durchziehen das Kulturhauptstadtjahr mit dem Ziel, die Möglichkeiten der Kultur als Antriebskraft für die europäische Gesellschaft von morgen zu erkunden und in Strategien umzusetzen. / MEHR