Kreativ.Quartiere
Die Kulturhauptstadt RUHR.2010 beschreitet mit der Förderung von Kreativität und Kreativwirtschaft Neuland gegenüber früheren Kulturhauptstädten: Jetzt stehen auch die Kulturakteure im Fokus, die nicht staatlich finanziert werden. Dabei werden drei Förderstrategien verfolgt: Menschen, Märkte und Medien.
Der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft stellt die Städte der Metropole Ruhr vor große Herausforderungen. Durch urbane Erneuerung gilt es, die Lebensqualität zu steigern, um für Menschen und Unternehmen als Standort und Lebensraum attraktiv zu bleiben. Triebfeder und Impulsgeber dafür sind die verschiedenen Branchen der Kreativwirtschaft. Sie spielen eine zentrale Rolle in diesem Transformationsprozess. In Zusammenarbeit mit den Stadtverwaltungen und Wirtschaftsförderungsinstituten der Metropole Ruhr werden ideale Bedingungen für und vor allem gemeinsam mit den Akteuren der Kreativwirtschaft geschaffen. Denn eine Gemeinsamkeit zeichnet weltweit alle Metropolen aus: Sie alle haben große Anziehungskraft auf Kreative und Künstler und sie motivieren zum Bleiben.
"Kreativ.Quartiere" wurde entwickelt, um diesen Prozess der urbanen Erneuerung für die Metropole Ruhr anzustoßen. Die Kraft für das Projekt wird aus der Zusammenarbeit vieler Partner gewonnen: Zehn Städte haben jeweils einen "Roundtable" aus allen zuständigen Ressorts der Verwaltung und aus der lokalen Kreativwirtschaft einberufen. Hier werden gemeinschaftlich urbane Areale definiert, die sich für eine Entwicklung als "Kreativ.Quartiere" eignen. Und: Hier werden ohne langwierige bürokratische Verzögerungen Leerstände für die Nutzung durch Künstler und Kreative zugänglich gemacht. Diese neuen urbanen Areale werden im Internet kommuniziert und diskutiert. Kreative aus ganz Europa sind so aktiv an diesem Prozess beteiligt, bis hin zur Anmietung von Räumen, die speziell auf die Bedürfnisse ihres Unternehmens zugeschnitten sind.
Einige konkrete Beispiele veranschaulichen, was sich hinter "Kreativ.Quartiere" verbirgt:
Dortmund
Auf 80.000 Quadratmeter entsteht mit dem Dortmunder U das bundesweit erste Zentrum für kreative Industrien mit dem Schwerpunkt Musik und Medien. Das Areal wird das Zusammenwirken beim Aufeinandertreffen von Kunst, Kultur, Ökonomie und Bildung völlig neu ausloten und damit die internationale Aufmerksamkeit auf die Region richten. Im Mittelpunkt steht der U-Turm, der sowohl für die Kultur als auch für die Kreativwirtschaft zu einem Ort des Erlebens und des Experimentierens wird. Der U-Turm wird zum Signum eines tiefgreifenden regionalen Wandels, zu einer Ikone kreativwirtschaftlicher Trends der Gegenwart und vor allem der Zukunft.
Essen
In Essen stehen bisher zwei Quartiere zur Verfügung, die durch die Kreativwirtschaft entwickelt werden. Die Scheidt'schen Hallen, eine ehemalige Kammgarnspinnerei in Essen-Kettwig, unmittelbar am Stausee der Ruhr gelegen, eignen sich durch ihre besondere Lage zwischen Essen und Düsseldorf für wissensbasierte Dienstleister aus dem Bereich Werbung und Kommunikation. In Workshops mit Kreativen aus der Werbebranche wurde
bereits ein Konzept für die Umnutzung der Hallen entwickelt.
Die ehemalige Zeche Wohlverwahrt im Stadtteil Essen-Steele wird zum Standort "Ruhr Musik Wohlverwahrt" umgebaut. Das Konzept des Künstlers Andreas Rochholl sieht eine Umwandlung der ehemaligen Zeche zu einem regionalen Musik-, Tanz- und Festivalveranstaltungsort vor.
Bochum
Eine Metropole lebt durch kreative Quartiere und urbane Räume mit dichter Atmosphäre. In Bochum gibt es mehrere Areale, die der Kreativwirtschaft Anknüpfungspunkte bieten und für die eine Entwicklung vorangetrieben wird. In Stadtteilen wie Ehrenfeld findet man private Initiativen, die sich die Förderung des eigenen Stadtteils zur Aufgabe gemacht haben. Das Thema "Musik" wird im Bereich der Zeche Prinz Regent gefördert, und die Belebung des City Tor Süd wird von den Akteuren aktiv mitgestaltet. Geplant ist außerdem, die Hochschulen in Bochum und die Studentenschaft vor Ort stärker einzubeziehen und an die Metropole Ruhr zu binden
Dinslaken
Das Bergwerk Lohberg in Dinslaken hat im Jahr 2005 nach rund 100 Jahren seine Produktion eingestellt. Das Areal bietet sich für eine nachhaltige und eigenständige wirtschaftliche Entwicklung hervorragend an. Wurde Kreativwirtschaft bislang als Phänomen in Großstädten und urbanen Ballungszentren diskutiert, wird am Beispiel der Zeche Lohberg deutlich: Es geht auch um die Modernisierung von Wirtschaftsstrukturen abseits der Großstädte. Dinslaken mit der Zeche Lohberg ist der Standort, an dem diese Fragen am konkreten Beispiel erörtert werden können. Was kennzeichnet Kreativwirtschaft zwischen Provinz und Metropole? Wie fügt sich Kreativwirtschaft in die Lebenswelten kleinerer und mittlerer Städte ein? Welchen Beitrag kann sie für gesellschaftliche und wirtschaftliche Modernisierungsprozesse leisten? Diese Fragen der "Kreativwirtschaft in Randlage" werden in Lohberg erstmals exemplarisch diskutiert
Unna-Massen
Die Landesstelle Unna-Massen war die zentrale Anlaufstelle für Aussiedler, Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen und liegt als Enklave zwischen Unna und Dortmund. Sie bot Sprachunterricht, Integrationskurse, Schule, Theater und drei Kirchen und war auf ihre Art eine Stätte der Wandlung.
Zurzeit ist Unna-Massen ein sozial vergessener Ort, der für Mieter im Sinne des üblichen Immobilienmarktes keine Attraktivität hat. Zudem gibt es genug Alternativangebote in sozial besseren und verkehrstechnisch günstigeren Lagen. Die Idee, Unna-Massen als ein Zukunftsmodell zur Entwicklung von Kreativität und Kreativwirtschaft zu entwickeln, setzt auf eine systematische Nutzung der sich aktuell entwickelnden dynamischen Verbindungen zwischen Kultur und Wirtschaft.
Vorgesehen ist die Umwandlung von Teilflächen des Geländes in ein Kreativareal mit drei unterschiedlichen Schwerpunkten. Entstehen soll eine als Akademie, Residenz und Kreativquartier konzipierte Kreativplattform, die internationalen Architekten, Designer, Künstlern und Produzenten aus den kreativwirtschaftlichen Bereichen die Möglichkeit bietet, dort zu leben, zu arbeiten, zu produzieren und Cluster zu bilden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Villa Massimo in Rom und der Creative Factory in Rotterdam.
Oberhausen
Für das Kulturhauptstadtjahr hat Oberhausen ein Programm aufgestellt das dem Motto "Die Erfindung der Zukunft" folgen soll. In diesem Zusammenhang ist die Beteiligung am Kulturhauptstadtprojekt Kreativ.Quartiere ein gelungenes Zusammenspiel. Die Kreativwirtschaft, also das Vermitteln kreativer Inhalte und das Erzeugen kreativer Wertschöpfung, hat gerade im urbanen Stadtraum einen besonderen Stellenwert. Deshalb hat Oberhausen ihre Innenstadt zum Kreativquartier deklariert. Leer stehende Ladenlokale sollen von Künstlern und Kreativen neu genutzt werden und dadurch eine Neubelebung der Innenstadt bewirken. Insbesondere in Zusammenarbeit mit Kreativen aus den Niederlanden soll die Zukunft der Innenstadt wieder neu erfunden werden.
Herne
Auf einer Länge von 10 Kilometern bildet der Rhein-Herne-Kanal die nördliche Grenze der Stadt Herne. Von Anfang an war der Kanal nicht nur Güterschifffahrtsweg, sondern auch eine Freiraumachse in einer dicht besiedelten Industrielandschaft. Hier gibt es Wohnsiedlungen, Grünanlagen, industrielle und gewerbliche Produktionsstätten, Kreativunternehmen, aber auch leer stehende Immobilien und Freiflächen, die darauf warten, kreativ "erobert" zu werden.
Keimzelle ist die Künstlerzeche Unser Fritz, kulturell genutzter Industriestandort mit Künstlerateliers, Kulturbetrieb und maritimem Kanalblick. Entlang des Wassers gibt es weitere Entwicklungsbereiche. Als Teil des "Kulturkanals" und der Emscherinsel wird das Areal darüber hinaus zurzeit in vielfältigen interkommunalen Initiativen zu einer Kulturachse ausgebaut und erhält ein spannendes und maritimes Ambiente. Eine derartige Vernetzung von Kreativen, Gewerbe und Industrie und ein Aufeinandertreffen von Kunst, Kultur und Ökonomie weckt Ambitionen, das Quartier zum "Pionierland" für kreative Köpfe und zu einem Zukunftsmodell mit internationaler Strahlkraft werden lassen.
Die Städte Dorsten, Duisburg und Mülheim an der Ruhr beteiligen sich ebenfalls am Projekt Kreativ.Quartiere.
Ab Frühjahr 2010 können Sie sich über das Projekt, die zehn beteiligten Städte und erste Immobilien für Kreative auf www.2010lab.tv informieren.
Das Projekt Kreativ.Quartiere wird gefördert von der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH und der Landesregierung NRW.








