Der Pott

Das Ruhrgebiet ist ja so grün! Nicht nur mit Naturlandschaften überrascht die Metropole Ruhr. / Cover: Der Pott
"Pott", das kann nur liebevoll sagen, wer aus dem Revier stammt - und das tut er, der Dortmunder Olaf Sundermeyer. Der Exil-Berliner liefert eine Reportage über das heutige Ruhrgebiet - teils anekdotisch, teils nostalgisch, immer den Mythos Ruhr umkreisend.
Als Journalist nähert sich Olaf Sundermeyer dem "Pott" mit unverstelltem Blick, weil er die Leute des Ruhrgebiets zu Wort kommen lässt. Das mag in der Gewichtung nicht immer objektiv sein, macht aber eine Menge Spaß beim Lesen.
Romancierend ist der Streifzug durch das Ruhrgebiet, schon fast ein bisschen voyeuristisch sind die intim anmutenden Beschreibungen der Begegnungen in der Kneipe, im Stadion, in der Moschee, auf dem RuhrtalRadweg, beim Pornoverlag, im Stau auf der A40 oder in den Straßenbahnen entlang der Route Industriekultur.
Dabei kommen in den einzelnen Kapiteln zu Wort: der ehemalige Ministerpräsident Wolfgang Clement, der Kabarettist Frank Goosen, der Kulturmanager Dieter Gorny, der Sexfilmregisseur Harry S. Morgan, die Heavy-Metal-Band "Kreator", der romanschreibende Nachtwächter Wolfgang Welt, Schalker und Borussen, der Historiker Klaus Tenfelde und die Brauerfamilie Fiege. Also reichlich echte Menschen. Und die erzählen über die SPD, Segeln auf Industriebrachen, über Fussek, Kurzarbeit, Swingerclubs, Sommer am Kanal, türkische Hochzeitsnächte, über Mineralwasser, das heute wichtiger ist als Bier, und Wochenenden zwischen Baumarkt, Muckibude und Großraumdiskothek.
So ist das Ruhrgebiet von heute? Das mag der Leser entscheiden, während er schmunzelt, sich wiederfindet und nachdenkt über die gemeinsame Ruhrstadt, die Vision einer europäischen Metropole Ruhr.
Olaf Sundermeyer
Der Pott: Warum das Ruhrgebiet den Bundeskanzler bestimmt und Schalke ganz sicher Deutscher Meister wird
C.H. Beck: Beck’sche Reihe
September 2009
238 Seiten, gebunden, 26 Abb., EUR 14,95
ISBN 13 9783406591341
