Aktuell

Bekanntmachung der Kriterien zur Förderung
/ MEHR

Erklärung der RUHR.2010 GmbH in Liquidation vom 31. Januar 2012: Stiftung RUHR.20210 kann Nachhaltigkeit der Kulturhauptstadt fördern
/ MEHR

Anmeldeschluss für !SING - DAY OF SONG verlängert! / MEHR

RUHR.2010-TV

Zur aktuellen Sendung von RUHR.2010-TV / MEHR

Mein Schottland, mein Leben

Als James Bond wurde er weltbekannt. Außer Dienst Ihrer Majestät ist Sean Connery Schotte mit Leib und Seele. / Foto: Ullstein VerlagAls James Bond wurde er weltbekannt. Außer Dienst Ihrer Majestät ist Sean Connery Schotte mit Leib und Seele. / Foto: Ullstein Verlag

Als James Bond wurde er weltbekannt. Außer Dienst Ihrer Majestät ist Sean Connery Schotte mit Leib und Seele. / Foto: Ullstein Verlag

Sean Connery schreibt in seiner neuesten Autobiographie nicht nur eine Liebeserklärung an Schottland. Der Oscar-Preisträger, der als 69-Jähriger vom People Magazine zum "Sexiest Man of the Century" (1999) gewählt wurde, lobt in seinem Buch auch den beispielhaften Umgang mit Industriedenkmälern in der Metropole Ruhr.

Der Titel "Mein Schottland, mein Leben" ist durchaus Konzept: Sean Connery verbindet seine Lebenserinnerungen mit einem sehr persönlichen und warmherzigen Porträt seines Heimatlandes Schottland.
Eine Sammlung origineller Episoden ist das. Connery schreibt über all das, was er an Schottland liebt und was das kleine Land groß gemacht hat: die urwüchsigen Highlands, die verschrobene Beharrlichkeit seiner Bewohner, den eigenwilligen Humor, die Sprache, die Literatur, den Whisky, das wilde Wetter und das wunderschöne Edinburgh, Sean Connerys Geburtsstadt.

Vom Milchmann zum Britischen Geheimdienst
Connerys Understatement wirkt am schönsten, wenn er anekdotisch wird. Wenn der fast 80-Jährige beispielsweise erzählt, wie er als Jugendlicher in den verwinkelten Straßen seiner Heimatstadt mit dem Pferdekarren Milch ausgeliefert hat ("Ein Pferd nur für mich. MICH! Ich konnte es nicht fassen", schreibt der heutige Multimillionär Connery), wie es bei der Hochzeit seiner Eltern fast zu einer Schlägerei zwischen seinen hitzköpfigen Großvätern gekommen wäre und wie er trotz seines unüberhörbaren schottischen Akzents mit James Bond zum internationalen Filmstar wurde. Der Name Bond fällt übrigens erst auf Seite 150 zum ersten Mal. 

Charmante "Scottishness"
Seit Jahrzehnten setzt sich Connery für die Belange seines Heimatlandes ein. Aus seiner Wahlheimat auf den Bahamas möchte er erst zurückkehren, wenn Schottland ein unabhängiger Staat geworden ist. Der glühende Patriot gründete mit eigenen Mitteln die Stiftung Scottish International Educational Trust, die Ausbildungsstipendien für talentierte Schotten vergibt. Im Jahr 2000 wurde Sean Connery für seine Verdienste um Schottland von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen.
Darum ist es nicht überraschend, dass Connerys Erzählungen von starkem nationalem Selbstbewusstsein geprägt sind. Trotzdem ist die Autobiographie nicht nur für Schottlandfans, sondern auch für kontinentale Connery-Fans lesenswert, weil der Ex-Bodybuilder ohne Schulabschluss markante Meinungen zu Geschichte, Politik, Film und Architektur vertritt. Das Buch lässt sich auch als Reisebuch lesen – man kann es in die Tasche packen und in das natur- und kulturgewaltige Schottland reisen.
Wer allerdings nach Enthüllungen eines knallharten Sexsymbols oder nach amüsant schlüpfrigen Filmstar-Anekdoten sucht, findet wenig Aufregendes. Dafür hat Connery das Ruhrgebiet für seine Autobiographie entdeckt. 

Von "Der Name der Rose" zur Metropole Ruhr
Bei einem Gespräch mit Helmut Qualtinger am Set von "Der Name der Rose" erfuhr Connery, dass das Riesenrad im Wiener Prater 1897 in Glasgow gegossen wurde. Dieser Anekdote lässt Connery eine umfassende Abhandlung über die Entwicklung der schottischen Schwerindustrie folgen.
Er beschreibt den industriellen Niedergang am Fluss Clyde bei Glasgow, deren traurige Überreste ein Monument des Niedergangs seien. Die Art und Weise, wie das Ruhrgebiet mit seiner Industriegeschichte und den Industriedenkmälern umgegangen ist, findet Connery beispielhaft und auch für den Erhalt von Schottlands vergangenen Gießereien oder Werften werbewirksam. Mehrere Absätze befassen sich dann anschaulich mit dem Strukturwandel am Beispiel des Landschaftsparks Duisburg-Nord

Großes Lob und kleine Fehler
Trotz der wohl überaus rechercheintensiven Mitarbeit seines Freundes, des Autors und Regisseurs Murray Grigor, sind Sean Connery bei seinem Lobgesang auf die Metropole Ruhr zwei Schnitzer unterlaufen.
Zum einen lässt er das einstige Eisenhüttenwerk im Landschaftspark Duisburg-Nord ein Stahlwerk sein. Zum anderen wird eine Aufnahme des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein in der Bildunterschrift zum Landschaftspark Duisburg-Nord gezählt.

Sean Connery mit Murray Grigor
Mein Schottland, mein Leben
Ullstein Verlag
März 2009
496 Seiten, gebunden, EUR 24,90
ISBN: 3550087756

Ausführlicheres zu Sean Connery und dem Ruhrgebiet finden Sie in unserer Aktuellmeldung.

Auf der Homepage des Ullstein Verlages finden Sie eine Leseprobe.