Aktuell

Anmeldeschluss für !SING - DAY OF SONG verlängert!
/ MEHR

Wiederaufnahme: Tosca in Duisburg
/ MEHR

Mitsingkonzert "Vom Himmel hoch" / MEHR

RUHR.2010-TV

Zur aktuellen Sendung von RUHR.2010-TV / MEHR

Schuttblumen

Cover von Cover von "Schuttblumen"

Der Halveraner Werner Sinnwell erweckt in seinem Buch Erinnerungen aus der Nachkriegszeit zum Leben: Zerstörte Häuser waren für Kinder Abenteuerspielplätze. Zwischen den Trümmern Löwenzahn und Weidenröschen - die Schuttblumen. Sie signalisierten Durchsetzungsvermögen und "das Leben geht weiter".

"Hin und wieder gehe ich, bevor ich den Heimweg über die Autobahn antrete, durch die Straßen, in denen ich als Kind gespielt habe. Tauche in die Vergangenheit ein. Oft habe ich das Gefühl, als versuche ich, Mutters schwindende Erinnerung durch mein verstärktes Erinnern zu kompensieren, um so unsere gemeinsame Geschichte zu retten. Das ist wie ein Sog, gegen den ich mich nicht wehren kann", heißt es in "Schuttblumen".

Der fiktive Journalist Erich Breitenbach erzählt in der Ich-Form aus seiner Jugend, weil er sieht, wie schnell die Erinnerungen seiner Mutter verblassen. Er will die Erinnerung festhalten und erzählen, wie es im Frühjahr 1945 war, in den Wirren des schon verlorenen Krieges und der folgenden Nachkriegszeit. Breitenbach berichtet aus vergangenen Tagen, in denen Teenager noch Backfische hießen und sich die Blumen mit Kraft ihren Weg durch Schutt ans Tageslicht erkämpfen mussten. Beschrieben werden die Nachkriegsjahre 1946 und 1947, die ein harter Winter trennte. Der junge Erich Breitenbach lernt, wie man mit wenig Nahrung überlebt, die zuvor "gefringst", also organisiert oder besser: gestohlen wurde. Er trägt Schuhe mit abgeschnittenen Kappen und gerät beim Namen eines "Frauenzimmers" ins Schwärmen: Sofia-Frederike-Luisa - aufregend in einer Zeit, in der Frauen Elfriede oder Helene hießen und die Männer alle Otto.

Werner Sinnwell hat bereits in Sachbüchern über Halver und das Leben von Zwangsarbeitern berichtet, "wie es war". Auch in "Schuttblumen" geht es ihm wieder um das Erinnern. Nun wird erzählt, "wie es war". Es ist eine harte Zeit, die Werner Sinnwell durchaus mit autobiografischen Zügen beschreibt. Darum werden sich auch Leser, für die diese Zeit selbst Kindheit bedeutete, in "Schuttblumen" wieder finden. Es geht um das Überleben in schwierigen Zeiten, aber auch die Erfahrung von Glück und Geborgenheit.
"Der Titel spiegelt die Geschichte der handelnden Personen wider", sagt Autor Werner Sinnwell. Für ihn sind die Erinnerungen an die schattigen und geheimnisvollen Hinterhöfe im Ruhrgebiet lebendig. Hier ist er tatsächlich aufgewachsen. Lebendig sind für den 1937 geborenen Autor auch die Bombennächte.

Werner Sinnwell wurde in Dortmund geboren und lebt seit 1963 in Halver im märkischen Sauerland. Hier war er bis zum Jahr 2000 als Lehrer und Konrektor an der Realschule tätig und wirkte ein Jahrzehnt als städtischer Kulturbeauftragter. Mit der Erzählung "Schuttblumen" veröffentlichte Werner Sinnwell sein sechstes Buch.

Werner Sinnwell
Schuttblumen
Pomaska-Brand-Verlag
November 2009
192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, EUR 19,80
ISBN: 9783935937689