Ruhr 2010 - Ein Revier für die Kultur. Kulturhauptstadt Europas
Der Titel ist zwar etwas sperrig. Dahinter verbirgt sich jedoch ein bemerkenswert guter Text- und Bildband über die Metropole Ruhr.
Das reich bebilderte Buch vereint Beiträge von 17 Prominenten, Kreativen, Medienmachern und Politikern. Sie alle schildern aus ihrer ganz persönlichen Sicht Geschichten aus dem Ruhrgebiet und von der Metropole Ruhr. Da manifestiert sich der Wandel, da zeigt sich viel Hochglanz, da kommen aber auch Ecken zwischen Ruhr und Emscher nicht zu kurz, an denen die Rußspuren noch immer zu sehen sind – ohne dass sie stören würden, und die Sprache frei von hochdeutschen Feinheiten ist.
So erinnert sich Manni Breuckmann an das „Pöhlen” (i.e. Fußballspielen) auf dem sandigen Vorplatz des Ostring-Stadions in Datteln. Der frühere Weihbischof Franz Grave schwelgt in Erinnerungen an die Kinderjahre in Essen-Frohnhausen, das ihm so sehr gefällt. WAZ-Chef Bodo Hombach erzählt, wie in den 50er Jahren mit den Zuwanderern aus Italien auch die „Dolce Vita” an die Ruhr kam. Essens Oberbürgermeister Reiniger berichtet vom Bewerbungsmarathon für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, von den ersten mutigen Ideen im stillen Kämmerlein bis zur Entscheidung in Brüssel. Fritz Pleitgen ergänzt die Erfolgsgeschichte der Kulturhauptstadt aus seiner Sicht des RUHR.2010-Geschäftsführers. Ludger Stratmann beschwört im breitesten Dialekt die Ruhe des Ruhrpottlers – „immer schön normaaal bleiben”. Auch Gerburg Jahnke befasst sich mit der Sprache des Ruhris und vermittelt humorvoll, warum der Ruhri alles direkt auf den Punkt bringt. Heinrich Wächter, Koch und inzwischen als "Bürger des Ruhrgebiets" ausgezeichnet, erklärt die Küche der Metropole Ruhr und liefert dazu gleich einige Rezepte.
Es entsteht ein Kaleidoskop der Meinungen und Einstellungen zum Revier. Ruhris und Zugereiste schildern ihre Eindrücke und Empfindungen in eindrucksvoller und überzeugender Weise. Alles in allem macht das Lese- und Bilderbuch deutlich, warum die Metropole Ruhr Kulturhauptstadt Europas 2010 geworden ist – weil wir es uns verdient haben.
Herausgeberin ist Marie-Luise Marjan, die als Marlies Wienkötter in Essen geboren wurde und in Hattingen aufwuchs. Bekannt wurde sie der ganzen Nation als Mutter Beimer in der Lindenstraße. Die Metropole Ruhr ist aber ihre Heimat geblieben: Marjan hat am Schauspielhaus Bochum unter Schalla und Zadek gearbeitet und die Bewerbungsphase der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 kreativ unterstützt.
Mit zweijähriger Vorarbeit ist ihr eine komprimierte Liebeserklärung an das Revier gelungen – ein Buch, das so ziemlich alles abdeckt, was man über die Metropole Ruhr wissen sollte und wissen muss.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Lingen Verlags.
Marie-Luise Marjan (Hg.)
Ruhr 2010 – Ein Revier für die Kultur. Kulturhauptstadt Europas
Lingen Verlag
November 2008
160 Seiten, gebunden, zahlreiche meist farbige Abb., EUR 14,95
ISBN 3-938323-82-5
Buchpräsentation

Dr. Wolfgang Reiniger (links), Marie-Luise Marjan (Mitte) und Prof. Dr. Oliver Scheytt (rechts) bei der Buchpräsentation. Foto: Lingen Verlag
Im Essener Rathaus stellte die Herausgeberin, Marie-Luise Marjan, das reich illustrierte Buch im November 2008 der Öffentlichkeit vor.
Anwesend waren u.a. der Hausherr Dr. Wolfgang Reiniger, Oberbürgermeister der Stadt Essen, und Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH. Die Laudatio auf die Herausgeberin hielt der Kabarettist Dr. Ludger Stratmann.

